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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude

„Gott soll allein mein Herze haben“ (Kantaten BWV 169 & 35 u. a.)

Iestyn Davies, Tom Foster, Arcangelo, Jonathan Cohen

Hyperion/Note 1 CDA68375
(65 Min., 10/2022)

Ausgehend von einer ansprechend virtuosen Gestaltung des Orgel-Soloparts – Tom Foster bringt es mit seiner rechten Hand zu beinahe koopmannscher Eloquenz – gestalten Jonathan Cohen und sein Ensemble Arcangelo die beiden Alt-Solokantaten BWV 169 und BWV 35 sehr agil und mitreißend. Die beiden Werke gehören zu einer faszinierenden kleinen Zahl von Kantaten, in denen Johann Sebastian Bach 1726 in Leipzig eigene alte Concerto-Kompositionen zu neuem Leben erweckte. Als Alt-Solist tritt der englische Countertenor Iestyn Davies zum Instrumentalensemble hinzu, und seine zwar weitgehend sehr stimmschöne, aber nur bedingt textaffine Darbietung entlarvt Cohens Interpretationsansatz in Sachen Bach an dieser Stelle als einseitig der instrumentalen Brillanz verpflichtet. Es sind bei Davies die üblichen Kleinigkeiten im Umgang mit der Fremdsprache, die zu einem partiell verwaschenen Ergebnis führen: Vokallängen und damit verbundene Vokalfarben, Bedeutung von Wort- bzw. teils auch Silbengrenzen sind Aspekte, die für das Verständnis des Deutschen, zumal wenn es gesungen wird, extrem wichtig sind. Weil hier nicht mit letzter Sorgfalt gearbeitet wurde, sind selbst Rezitativ-Texte in den genannten Kantaten teilweise nicht unmittelbar verständlich. Das barocke Deutsch fordert auch insgesamt ein stärkeres artikulatorisches Zupacken, damit es seine Wirkung im Zusammenhang mit der Tonsprache Bachs uneingeschränkt entfalten kann. Etwas mehr Kreativität hätte im Übrigen auch dem „Klag-Lied“ von Dietrich Buxtehude gutgetan: In der Aufnahme von Sébastien Daucé sind die sieben Verse instrumental unterschiedlich besetzt, und der Vokalpart erfährt sehr einfallsreiche individuelle Ornamentierung. Dagegen ist die vorliegende Darbietung betrüblich einförmig.

Michael Wersin, 23.04.2022



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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