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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



64 Minuten für zwei Opernakte, Rezitative inklusive! Obwohl die, zwecks besserer internationaler Verbreitung, erst später von André Messager hinzugeschrieben wurden. Hat nichts genützt, Camille Saint-Saëns‘ witzig-frivole, in der Kürze auch würzige Antikenvokalerzählung „Phryné“ – zunächst ein durchaus anerkannter internationaler Erfolg – verschwand schließlich doch in der Versenkung. Er selbst blieb so mit „Samson et Dalila“ ein Ein-Opern-Komponist. Die verdienstvolle Stiftung Palazzetto Bru Zane hat es sich nun – neben vielem anderen aus dem 19. Jahrhundert – anlässlich des 100. Todestages zur Aufgabe gemacht, Licht ins Dunkel des Saint-Saëns-Musiktheaters zu bringen. Und als immerhin bereits fünfte Rarität zog man der 1893 an der Opéra-Comique uraufgeführte „Phryné“ neuerlich den Schleier vom gar nicht verstaubten, alabasterfarbigen Leib. So nackt wie auf Jean-Léon Gérômes skandalumwittertem, 1861 beim Pariser Salon eingereichtem Historiengemälde (heute in der Hamburger Kunsthalle) geht es nicht zu, trotzdem inspirierte es den Librettisten Lucien Augé de Lassus: Dicéphile, ein geiziger Magistrat, streitet mit seinem Neffen Nicias um die Reize der jungen Phryné. Indem sie ihre Nacktheit in Form einer Statue enthüllt, gelingt es ihr, den Blaubart zu täuschen. Hervé Niquet gestaltet das mit dem Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie und seinem Chœur du Concert Spirituel so pudrig wie nachdrücklich. Cyrille Dubois, frisch, flexibel, tenorleicht, ist ein Ideal als Nicias, Thomas Dolié ein basssamtiger Dicéphile. Sopranverzwitschert, aber flattrig gestaltet Florie Valiquette die Titelpartie; für eine Kurtisane etwas zu brav.

Matthias Siehler, 12.03.2022



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