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N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



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Wolfgang Amadeus Mozart

„Mozart x 3“ (Arien)

Elsa Dreisig, Kammerorchester Basel, Louis Langrée

Erato/Warner 9029641225
(59 Min., 7/2021)

Was ist denn hier visuell passiert? Da scheint einer Rokokoperückenträgerin offenbar der Finger in die Steckdose gekommen zu sein. Und jetzt haben wir den Lockensalat. Weniger gekräuselt und steil aufragend gibt sich, was hinter diesem Cover zu hören ist: Elsa Dreisig, genauso alte, sendungsbewusst französisch-dänische Sopranistin, unter Daniel Barenboims Fittichen an der Berliner Staatsoper engagiert und ordentlich gepuscht. In diesem Sommer will sie in Aix-en-Provence nach den „Salome“-Sternen greifen, auf ihrem ersten Solo-Rezital bei Erato hatte sich das schon vor drei Jahren mit der Schlussszene angekündigt. Zwischendurch hatte sie beim pandemischen 100. Salzburger Festspieljubiläum einen großen Fiordiligi-Erfolg. Mit deren erster „Così-fan-tutte“-Arie eröffnet sie nun ihre dritte Soloscheibe: „Mozart x 3“ heißt die, etwas kryptisch ausgeschrieben.
Anders als im Theater hören wir aus dem reinen Akustikraum eine kindliche Stimme, mit wenigen Farben, hochgetrieben und künstlich größer gemacht. Die hübsch zwitschert, einigermaßen beiläufig vor sich hinträllert. Nuancen, Wärme, Vielfalt, wirkliche Tragik vermisst man, obwohl sich der 12-Arien-Parcours durch die wohlbekannte Galerie der Mozart-Damen und -Dämchen zu Teilen werbewirksam mit dem gegenwärtigen Dreisig-Repertoire deckt. Jeweils drei Charaktere aus den drei Da-Ponte-Opern plus drei weitere Seria-Schnipsel (Elettra, Vitellia, „Silla“-Cecilio) durchmisst sie hier mit staunenswerter Vokalbrillanz, aber zu wenig Unterscheidbarkeit. Kaum eine Figur wird hörbar glaubwürdig, besonders, einzigartig. Die meisten werden – für zu leicht befunden. Was auch am dahinlullenden Mozart-Dirigat des neuen Pariser Opéra-Comique-Chefs Louis Langrée liegt, der dem eifrigen Kammerorchester Basel vorsteht.

Matthias Siehler, 12.02.2022



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