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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Ondřej Adámek

„Follow me“, „Where are You?“

Isabelle Faust, Magdalena Kožená, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Peter Rundel, Simon Rattle

BR Klassik/Naxos 900638
(61 Min., 12/2017, 3/2021)

Der tschechische, in Berlin lebende Komponist Ondřej Adámek besitzt von jeher ein etwas anderes Verständnis von der Neuen Musik. Statt sich nämlich ausschließlich gedanklich-intellektuell mit bislang unstrukturiert rumliegenden Klangbausteinen zu beschäftigen, dürfen bei ihm auch der große Unterhaltungswert und mindestens der zum Schmunzeln anregende Überraschungseffekt nicht zu kurz kommen. Eines seiner bekanntesten und beliebtesten Stücke ist etwa die „Airmachine“, bei der Faschingströten und lustige Gummischweinchen über Luftdüsen gestülpt werden und so ein herrlich surreales Ballett bilden. Doch auch wenn Adámek für großes, klassisch besetztes Orchester schreibt, ist man nicht nur ständig verblüfft über die von ihm entdeckten und erfundenen Klänge. Seine Werke besitzen zugleich beeindruckende Poesie bzw. dramatisches Potenzial. Wie im Fall des Vokalzyklus „Where are You?“, der 2021 von Mezzosopranistin Magdalena Kožená und dem von Simon Rattle geleiteten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks uraufgeführt wurde. In elf Kapiteln dreht sich alles um die verschiedensten Anrufungen des Göttlichen. Mal geht es ekstatisch im spanischen Idiom und im opernhaften Ton zu. Mal befindet man sich auf einem tschechischen Dorffest, wo dem Himmel und Jenseits schon mal derart reichlich zugeprostet wird, dass manche Textzeilen wie auf einer defekten Schallplatte in einer Dauerschleife festhängen. Gegen Ende aber des jetzt veröffentlichten Mitschnitts der Uraufführung fleht Magdalena Kožená mit brüchiger und per Megaphon verstärkter Stimme noch ein letztes Mal nach ihm, mit den Worten „Are You there?“. Ein musikalisch vielsprachiges, packendes Glaubensdrama ist das, aber eben ohne Weihrauch.
Ähnlich ideal gewählt wie die Uraufführungsinterpreten rund um Rattle waren vier Jahre zuvor auch die Erstinterpreten von Adámeks Violinkonzert „Follow me“. Diesmal stand Peter Rundel am Pult des Symphonieorchesters des BR. Die fabelhafte Isabelle Faust muss sich in diesem von surrealen Schwingungen, Geräuschen und Bach-Zitaten durchsetzten, dreisätzigen Konzert schon mal den heftigen Attacken des Orchesters erwehren. Nützt aber nichts, wie das Booklet verrät. Denn im Konzertsaal muss die Solistin zum Schluss ein einsames Dasein hinter der Bühne fristen. Wie im Fall von „Where are You?“ besitzt auch „Follow me“ eine theatralische Komponente, die man gesehen haben muss. Doch schon der reine Mitschnitt dieser beiden Werke garantiert reichlich auf- und anregende Hörbilder.

Guido Fischer, 22.01.2022



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