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N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



Wärme, Schmiegsamkeit, direkter Kontakt, tröstliches Timbre. Es gibt viele Gründe, warum das Cello immer wieder mit der menschlichen Stimme verglichen wird. Es tönt sonor, aber nicht dunkel, es schwingt weich aus. Und wenn es nicht muss, dann meidet es die emotionalen Extreme. Genauso kann man auch das jüngste Album des jungen, dabei noblen und sensitiven französischen Cellisten Edgar Moreau beschreiben, der unrechterweise immer noch etwas im Windschatten des robusteren, egomaneren Gautier Capuçon steht. Dabei hat der 27-jährige Pariser ebenso viel Können und Gefühl zu bieten, zu hören auf diesem Album, das er durchaus auch als eine spirituelle Hommage an seine jüdische Herkunft versteht, ohne wirklich gläubig zu sein oder missionieren zu wollen. Edgar Moreau lässt sein Cello von David Tecchler aus dem Jahr 1711 – der Sohn eines Antiquitätenhändlers liebt Altes – mit jüdisch inspirierter Musik von vier Komponisten erklingen: Ernest Blochs „From Jewish Live“ und „Schelomo – Rhapsodie hébraïque“, die er pikant würzt, aber auch elegisch aussingt; Erich Wolfgang Korngolds melodiesatt-knappes, eher weltliches, aber tief empfundenes, für den Hollywood-Film „Deception“ komponiertes Cellokonzert; Max Bruchs Gebetsevokation „Kol Nidrei“ die er mit vibratozart blühendem Ton gehaltvoll hintergründig, gleichsam nach innen strahlen lässt; zwei impressionistisch-exotisch hingetupfte „Mélodies hébraïques“ von Maurice Ravel als schillernd-intensive Farbkleckse zum Finale. Ein schnell reagierender, feinfühlig den angeschlagenen Tonfall aufnehmender Begleitpartner ist ihm Michael Sanderling am Pult des souverän klangausbalancierten Luzerner Sinfonieorchesters. Ja, diese „Übertragung“, so der Album-Titel, gelingt nachhallend.

Matthias Siehler, 15.01.2022



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