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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Now & Then

Fried Dähn

Jazzsick/The Orchard-Membran JSFTRCD61909
(45 Min., k. A.)

Er wandert zwischen den Welten, gehört in keine und ist doch bei der Neuen Musik, Jazz, Elektronischer Musik und Experimentalrock zu Hause. Fried Dähn, Elektro-Cellist, 1990 bis 1993 Mitglied des Ensemble Modern, fand in den Jahren danach zu einer eigenen Tonsprache aus elektronisch modifiziertem Ton, Loops und anderen Soundeffekten. Dabei wirkt sein weißes, körperloses Instrument wie eine verkleinerte Ausgabe des ebenfalls körperlosen Elektrobasses von Eberhard Weber. Doch was ähnlich aussieht, muss keine klangliche Verwandtschaft aufweisen. Im Gegenteil: Die musikalischen Welten der beiden unterscheiden sich allerdings wesentlich. Zum einen integriert Dähn im Gegensatz zu Weber gesampelte Geräusche und elektronisches Rauschen als Elemente, und zum anderen bevorzugt er griffige Rhythmen mit Rock und Jazzbezügen.
Eine vage Erinnerung an Cole Porters „Love For Sale“ schimmert durch Dähns „Last Order“ – einer der versteckten Jazzbezüge. Ansonsten nähert er sich im „Blues 54“ im Fünfvierteltakt den Sounds des Elektropop, driftet mit „Secrets“ in verhallte Sphären nahe der Weltraum-Filmmusiken und unterlegt der kratzig-schrillen Cellomelodie in „Z-Tone“ einen an die Minimal Music erinnernden Puls. Mit „Shake It Easy“ öffnet er sich den Rockbeat, mit „Add“ nähert er sich mit Percussionloops und gitarrenartigen Akkorden dem Ambient, und in „Out Of One“ unterlegt er den wenigen Melodietönen eine kleine Tanzfigur.
Damit ist es noch nicht genug. Dähns Klangwelt und seine Inspirationsquellen gehen noch weiter. Für „Friends“ vermengt er eine Fülle von Klangmustern von minimalistischen Loops über fiepsende Sounds bis zu einem scheinbaren Cello-Dialog, für „Mesh“ verwebt er eine jazzig pulsende Bassfigur, eine schwebende Melodie und Wischgeräusche zu einem weitmaschigen Netz, und im „Wölfe und Viren“ hängt hinter dem sich langsam aufbauenden Cello-Pizzicato-Loop, den wenigen gestrichenen Tönen, dem Elektronengezwitscher im Hintergrund und einer dezent gliedernden Bassfigur ein wenig Pink-Floyd-Feeling, das in der CD-Version in der Imitation einer sich unendlich wiederholenden Klangfigur in der Auslaufrille einer LP mündet. Auf dem Album „Atom Heart Mother“ von Pink Floyd fielen einst Wassertropfen, wenn der Tonarm nicht abhob.

Werner Stiefele, 20.11.2021



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