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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti, Richard Wagner u. a.

„BariTenor“ (Arien)

Michael Spyres, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Marko Letonja

Erato/Warner 9029515666
(84 Min., 8 & 12/2020)

Seit der italienische Belcanto wieder Urständ’ feiert, kennen wir neuerlich den koloraturbeweglichen tenore di grazia. Und, ja, eben den Baritenore. Das war, gegenüber dem Liebhaber-Trällerer, der gewichtigere, ältere, oft intrigante oder finstere Charakter. Beiden Fächern haben letztes Jahr mit der Duo-Platte „Amici e Rivali“ der Spitzentonkraxler Lawrence Brownlee und der wohlig versatile Michael Spyres ihre Reverenz erwiesen. Auf dieser Spur hat der 41-jährige Spyres nun nachgelegt. Sein jüngstes Erato-Album nennt sich „BariTenor“ und versammelt je neun Tenor- und neun Baritonarien von 15 Komponisten aus drei Jahrhunderten. Da gibt er also mit weichem, flüssigen Dunkelton Mozarts Grafen-Arie. Und heller, leichter, dabei immer noch mit einem warmen Grundton den bis zum hier strahlend servierten hohen D reichenden Adolphe-Adam-Tenorschlager vom „Postillon von Lonjumeau“. Wie kann das sein? Hier Bariton, da Tenor? Ganz einfach: Michael Spyres kann dank seiner guten Tiefe, wie seiner wunderbar technisch entwickelten Höhe und mit einem eher nougatfarbenen Timbre nicht nur Baritenore, sondern eben auch Bariton singen. Und der Lohengrin, wie auf Französisch zu hören, geht auch. Von Mozarts Idomeneo bis zu Lehárs Danilo und vom „Bajazzo“-Prolog Tonios zum einstigen Richard Tauber-Hit „Glück, das mir verblieb“: Ein solcher, auch stilistisch weitläufiger Parcours gleich zweier Stimmfächer dürfte in der Geschichte des Singens wie der Plattenhistorie beispiellos sein. Ohne Einschränkungen gestaltet Michael Spyres sowohl als Tenor Offenbachs hier naturgemäß etwas schweren Hoffmann mit dem Kleinzack-Lied wie als Bariton die legatomustergültige Graf-Luna-Arie „Il balen“ aus Verdis „Troubadour“. In vier Sprachen singt er Oper, Operette und Orffs „Carmina Burana“. Ein wahrlich gewagter Vokalklimmzug. Wenn man so möchte, auch ein Zeichen für Opern-Diversity. Aber nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen! Höchstens, wenn man Michael Spyres heißt.

Matthias Siehler, 30.10.2021



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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