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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Pēteris Vasks

Oboenkonzert, „Vēstījums“, „Lauda“

Albrecht Mayer, Lettisches Nationalsinfonieorchester, Andris Poga

Ondine/Naxos ODE1355-2
(68 Min., 7/2020)

Eine ruhige Landschaft im Sonnenlicht. Bukolisch, still. Herdenglocken läuten, Insekten zirpen, eine Hirtenflöte erschallt. Die ist freilich eine Oboe und sie wird pastoral meisterlich gespielt von Albrecht Mayer, dem Starsolisten der Berliner Philharmoniker, bei einem seiner eher seltenen Ausflüge in die aktuelle Musik. Der aber entfaltet hier den hinreißenden Stimmungszauber des 2018 von ihm uraufgeführten Oboenkonzerts von Pēteris Vasks, dem meistgespielten zeitgenössischen Komponisten Lettlands, bereits im ersten Satz. Vasks, Sohn eines Pfarrers, frönt heute einem ganzheitlichen Naturglauben, der vielfach seine plastisch feinfühlige Musik durchzieht. Und den Mayer fabelhaft virtuos, aber auch wunderfein kommunizierend, vor allem im langen Scherzo mit seinen raffiniert farbschillernden Kadenzen beschwört. Ein wenig herber wird es hier, doch schmetternd fülliger, trotzdem transparent endet anschließend der dritte Satz als „Abendpastorale“. Andris Poga am Pult des Lettischen Nationalsinfonieorchesters weiß sehr genau mit den Klangschattierungen seines Landsmanns umzugehen. Den weiten Horizont, die Wiesen und Wälder, Vogelstimmen und das Meer, den lettischen Weltatem, den Vasks immer wieder beschwört, kann man auch in den beiden anderen, viel dramatischeren Stücken des Albums nachempfinden: dem mystischen „Vēstījums“ (Botschaft) für Streichinstrumente, Schlagwerk und 2 Klaviere von 1982 und der vier Jahre jüngeren „Lauda“ für Orchester – beide aus der Zeit, als Lettland um seine Unabhängigkeit von der UdSSR zu kämpfen begann. Vasks, der sich vom einst wüsten Avantgarde-Klangzertrümmerer zum sinnlich-komplexen Tonmaler gewandelt hat, biedert sich dabei nie an. Ein angenehm ewiges Pathos durchzieht diese Klänge zwischen Licht und Dunkelheit.

Matthias Siehler, 16.10.2021



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