Julius wirft seinen Lorbeerkranz und den rotsamten, Gold gesäumten Cäsarenmantel lässig über Bord. Er geht an Land. Und stößt auf ein Krokodil. Das ihn schnell wieder zurück aufs sichere Schiff treibt. Das Reptil, so dachte sich Regisseur Herbert Wernicke, symbolisiert das alte Ägypten. Es kriecht über den Stein von Rosette, jenen Meilenstein in der Archäologie, der es ermöglichte, die ägyptischen Hieroglyphen zu entschlüsseln. Die mit Zeichen übersäte Fläche, über der ein gewaltiger Spiegel schwebt, bildet den Spielort für Händels "Giulio Cesare". Eine dreieinhalbstündige Abfolge erlesen geschmackvoller, perfekt ausgeleuchteter Bilder. Kostüme aus verschiedenen Epochen von der stilisierten Antike über das 18. Jahrhundert bis zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, um die Persönlichkeiten der Figuren auf den Punkt zu bringen: Diese Produktion aus Barcelonas Liceu ist typisch und unverkennbar Wernicke. Nicht unbedingt eines seiner besten, packendsten Theaterzauberstücke, aber doch eine durch und durch schlüssige, klare Arbeit.
Ewa Podleś, die sich nicht vom abgeschlagenen Kopf ihres Gatten trennen mag, dominiert das Ensemble als grandiose, dunkel-samtig tönende Cornelia reich an satten, leuchtenden Farben. Maite Beaumont ist ein leidenschaftlicher Sesto, Flavio Oliver ein beinahe untadeliger Cesare. Nur Cleopatra fehlt es an vokalem Glanz, Sinnlichkeit und Ausstrahlung. Dirigent Michael Hofstetter entschädigt dafür.

Jochen Breiholz, 07.07.2006



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