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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Standard war es ja in der Frühzeit der Oper nicht, dass Komponisten ihre Partituren so ausformulierten, dass die Nachwelt sie quasi nur noch nachzuspielen braucht. Doch Claudio Monteverdi nahm sich 1609 und damit zwei Jahre nach der Uraufführung seines „Orfeo“ die Zeit, eine Spielfassung drucken zu lassen, die längst nicht alles, aber doch einiges von seinen Vorstellungen verraten sollte. Die Interpreten von heute können daher weiterhin Forschungsarbeit betreiben und eigene Lösungsmöglichkeiten beisteuern, um dieses kostbare Ur-Dokument der Operngeschichte in voller Blüte erstrahlen zu lassen. Genau das hat jetzt der argentinische Alte Musik-Spezialist Leonardo García Alarcón getan. Allein schon das Basso Continuo-Getriebe zeigt sich bei ihm dem Leben zugewandt, dank auch der tänzerisch bewegenden Flöten und Violinen. Und in der eröffnenden Toccata setzt er sich über den Willen des Komponisten hinweg und lässt die Trompeten ohne die geforderten Dämpfer schmettern. Was gleich zu Beginn einen regelrecht kulinarischen Hörgenuss garantiert.
Diese Kulinarik zieht sich wie ein roter Faden durch die Gesamtaufnahme. Selbst da, wo Alarcón schon mal die Tempi extrem anzieht, wirkt es nie gehetzt, sondern mitreißend. In so manchen Ritornellen stellt sich gar jener leichte Groove ein, den Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata in der Barockmusik salonfähig gemacht hat. So fidel und sattelfest zugleich sich die Alte Musik-Cappella Mediterranea durch diese Opernwunderwelt bewegt, so erstklassig ist das sängerische Niveau. Der Chœur de Chambre de Namur unterstreicht seinen Ruf als einer der besten seiner Klasse. Und während Mariana Flores erst als „La Musica“ und dann als „Euridice“ in die Seeelentiefe magisch hinableuchtet, ist Valerio Contaldo in der Titelpartie auf allen Stilebenen eine Wonne.

Guido Fischer, 09.10.2021



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