home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Ob die lang überfällige Hommage an die Grenzüberschreiterin Marian Anderson (1897-1993) durch die Sony, wo ihr klingendes Erbe heute liegt, so opulent ausgefallen wäre, fügte sie sich nicht passgenau ins gegenwärtige Bewusstsein des „Black Life Matters“? Egal. Die legendäre amerikanischen Altistin, die 1955 als erste Schwarze endlich auf die Met-Bühne durfte – allerdings lange nach ihrem Zenit und nur als obskure Wahrsagerin Ulrika in Giuseppe Verdis „Maskenball“ – und die 1961 bei der Amtseinführung von John F. Kennedy sang, hat diesen effektvollen Auftritt mit solch opulenter Box verdient. Eine Box, die viel in Wort und Bild und natürlich auch Ton über „Anderson – Beyond the Music“ erzählt. Eigentlich war die Tochter aus schwarzem Mittelklassehaus Konzertsängerin, das ging damals, wenn man die rigiden Rassentrennungsmaßnahmen des Klassik-Amerikas beachtete. Eines der Glanzstücke dieser dunkel strömenden, fülligen, weiblichen, nicht nur warmen, zuweilen auch respektabel dröhnenden Stimme war etwa Johannes Brahms’ „Altrhapsodie“, die gleich in mehreren Interpretationen vorliegt. Auf den 15 spannenden CDs gibt es auch sonst viel Repertoirewiederholung, denn am besten entfaltete sich diese doch ein wenig schwere Stimme in Oratorienarien und in Liedern von Brahms, Schubert, bei Mahler und Strauss. Wenige Opernausschnitte sind dabei, aber auch Weihnachtslieder. Und natürlich nehmen auch gefühlvoll, aber stets mit klassisch domestizierter Note interpretierte Spirituals einen Großteil des dokumentierten Anderson-Katalogs ein. Und allein der großformatige 228-seitige Begleitbildband, der sehr schön auffächert, wie hier am Beispiel von Marian Anderson ein black artist’s life ein Land mitverändert hat, der war auch schon ohne jede Diversity-Mode die gewaltige Rechercheleistung wert.

Matthias Siehler, 09.10.2021



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top