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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Friedrich Gulda

Complete Decca Recordings

Friedrich Gulda, Chick Corea, Ruggiero Ricci, Hilde Güden, Wiener Philharmoniker, Horst Stein, Lorin Maazel u. a.

Decca/Universal 002894851451
(1947–1984) 41 CDs + 1 Blu-ray Video CDs

Wenn es eine Nation gibt, die ein besonders merkwürdiges Verhältnis zum Tod besitzt, dann ist es Österreich. Und als ob der gebürtige Wiener Friedrich Gulda dafür den allerletzten Beweis antreten wollte, machte er sich 1999 einfach mal einen Spaß und streute die (Falsch-)Meldung von seinem Ableben. Kaum waren die ersten Nachrufe gedruckt, feierte dieser geniale Jahrhundertpianist wenige Tage später in Salzburg eine „Wiederauferstehungs-Party“. Aber so war der dann tatsächlich am 27. Januar 2000 (an Mozarts Geburtstag!) verstorbene Gulda eben. Um Konventionen kümmerte er sich so gar nicht, sondern genoss das Künstler-Dasein in vollen Zügen. Klassik und Jazz, Mundart-Lieder und wilde Improvisationen, klangmächtiger Flügel, zitteraalig vibrierendes Clavichord sowie Ausflüge ins piepsige Blockflötenspiel – das war das Koordinatensystem, in dem sich der bekennende Batik-Leibchen-Fan ausschließlich bewegte. Aber selbst wenn Gulda mit Vorliebe konservativste Hardliner vor den Kopf stieß und in die Flucht trieb – sie kamen doch immer wieder zurück, wenn er sich mal wieder ausschließlich Mozart oder Beethoven widmete. Denn deren Sonaten und Konzerte spielte er stets mit unüberhörbar allergrößtem Vergnügen – bei gleichzeitig mitschwingender Bewunderung für diese Musik. Guldas diskografisches Mozart-Wunder ist ausführlich bei der Deutschen Grammophon dokumentiert. Seine Maßstäbe setzenden Beethoven-Einspielungen (darunter die immer noch unerreichte Gesamteinspielung aller 32 Sonaten aus dem Jahr 1967) finden sich auf den Labels Decca, Philips sowie Amadeo. Und unter dem Decca-Dach sind nun beispielsweise auch die Beethoven-Klavierkonzerte mit den Wiener Philharmonikern und Horst Stein in einer umfangreichen neuen Box wiederveröffentlicht worden, die den Bogen vom jungen Gulda (1947) bis zum ewigjungen Meisterpianisten (1984) schlägt. Purer Zauber empfängt einen da, etwa auch bei seinen Aufnahmen aller Debussy-Préludes. Mit einem Lächeln erkundete Gulda schon 1955 vier große Mozart-Konzerte (unter anderem mit dem London Symphony Orchestra unter Anthony Collins). Und neben seinen offensiv und fantasiereich geführten Dialogen mit dem amerikanischen Jazz-Klavierhelden Chick Corea dürfen so manche eigene kompositorische Visitenkarten nicht fehlen. Dazu gehört neo-barocker Jazz-Groove, aber auch überraschend mächtig mystisch Wolkiges, wie in der „Wintermeditation“. Ein weiterer der vielen absoluten Höhepunkte ist zudem der Liedbegleiter Gulda. Damit ist aber nicht etwa die Aufnahme von Schumanns „Liederkreis“ gemeint, auf der Ursula Anders eher eine Karikatur von Gesang bietet. Pure Gänsehaut bekommt man vielmehr bei den Strauss-Liedern, die Gulda 1956 mit der legendären Mozart- und eben auch Strauss-Sopranistin Hilde Güden geradezu liebkoste.

Guido Fischer, 31.07.2021



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