Gleich das Arioso zu Beginn ist ein Ohrwurm. In dem bei Beerdigungen beliebten Musikstück drückt der Titelheld, der Perserkönig Serse, oder zu Deutsch Xerxes, seine Zuneigung zu seiner Platane aus (zentrales Element der Oper und in der Inszenierung in Glas gefasst). Bald entbrennt er jedoch in Liebe zur Romilda, die jedoch wiederum die heimliche Geliebte seines Bruders Arsamene ist – Romilda und ihre Schwester Atalanta lieben beide Arsamene – der Konflikt und Liebeswirrungen sind vorprogrammiert. Aber auch die Komik kommt mit der Partie des Dieners Elviro nicht zu kurz.
In diesem mittlerweile fünf Jahre alten Mitschnitt von den Dresdener Musikfestspielen gibt es ein hervorragendes Sänger- und Chorensemble zu erleben, darunter einige Hosenrollen – was sich stimmlich positiv auswirkt und dank geschickter Kostüme auch dramaturgisch glaubwürdig rüberkommt. Besonders hervorzuheben ist Sandrine Piau mit beweglicher Stimme und glänzenden Koloraturen in der Rolle der Atalanta; sie ist die treibende Kraft des Bühnengeschehens.
Christophe Rousset und seine Talens Lyriques musizieren Händels kleingliedrige, für ihre Zeit moderne Partitur gewohnt frisch. Licht und Inszenierung setzten auf den Kontrast Schwarz-weiß zu Farbe mit kaltem, in Steinimitat gehaltenem Bühnenbild. Die Personenführung wirkt manchmal etwas überzeichnet, auch wenn die Psychologie der Protagonisten dabei gut zur Geltung kommt. Insgesamt eine gelungene Umsetzung.

Peter Overbeck, 17.09.2005



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Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


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