Alpha/Note 1 ALP684
(78 Min., 11/2018)
Es ist immer wieder erstaunlich bis schändlich, wie stiefmütterlich der Sinfoniker Joseph Haydn im heutigen Konzertbetrieb behandelt wird. Klar, seine „Pariser“ und „Londoner“ Sinfonien sind beliebt. Aber dass auch seine ganz frühen Gattungsbeiträge so gar keine Nettigkeiten sind, hat schon vor Jahren das Freiburger Barockorchester gezeigt. Nun legt Giovanni Antonini mit seinem einmal mehr so feingliedrig sensibel bis furios auftrumpfenden Ensemble Il Giardino Armonico die neunte Folge seiner Gesamteinspielung der Haydn-Sinfonien mit der Nr. 15 vor. 1761 schrieb Haydn dieses Werk – und damit in jenem Jahr, in dem er seinen Langzeit-Job als Kapellmeister bei den Esterházys antrat. Doch statt eines effektvollen Entrées bietet die Sinfonie ein wahres Wunder – in Form eines sanft dahingleitenden, ätherisch-schönen Gänsehaut-„Adagio“, das Mozart wohl auch sehr gerne eingefallen wäre. Doch allzu sehr sollte man sich von dieser selig-verträumten Stimmung nicht täuschen lassen. Plötzlich nämlich legen die Musiker ein herrlich dampfendes Highspeed-„Presto“ hin, das mit all seinen Rhythmen und Farben fast wie ein Mix aus Rameau, Carl Philip Emanuel Bach und Gluck klingt. Spektakulär unterhaltsam und zugleich geistvoll kommt dieses sinfonische Frühwerk daher. Auch dank des enormen Esprits, mit dem die italienische Alte-Musik-Banda jetzt diese Musik regelrecht feiert.
Das Finale dieser Einspielung markiert den Beginn des Sinfonikers Haydn. Aus dem Jahr 1767 stammt die ebenfalls schnittige und stürmisch pulsierende Nr. 35. Die Sinfonie Nr. 45 sowie die Kantate „Scena di Berenice“ drehen sich hingegen um musikalische Abschiede. Mit ihren leuchtenden Sopran-Rundungen schlüpft Sandrine Piau dafür in die Partie der ägyptische Prinzessin Berenike. Und wenngleich die Sinfonie Nr. 45 – besser bekannt unter dem Titel „Abschiedssinfonie“ – zu den Hits von Haydn gehört, hört man selbst die titelgebende Stelle am Ende des Finalsatzes mit ganz anderen Ohren. So nahezu glasharmonisch zart entschwindet sie da gen Himmel.
Guido Fischer, 24.04.2021
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