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Franz Schubert

„The Path of Life“ (Lieder)

Ilker Arcayürek, Simon Lepper

Prospero/Note 1 PROSP 009
(67 Min., 7/2020)

Eine wertige, intelligent konzipierte CD hat da neuerlich das bereits bewährte Lied-Duo Ilker Arcayürek (Tenor) und Simon Lepper (Klavier) vorgelegt. Und auch dem jungen Schweizer Label Prospero legt diese weitere, haptisch edle und optisch ungewöhnliche Produktion alle Ehre ein. Dem 37-jährigen türkisch-österreichischem Sänger raschelt bereits viel Lorbeer. Dem diese jüngste Veröffentlichung freilich nicht vollends gerecht wird. Sepiabraune nachdenklich-melancholische Fotos eines Jünglings mit Schiebermütze in diversen überhöhten Situationen, konzipiert von dem Marokkaner Achraf Baznani haben Arcayürek zu einem fünfteiligen Franz-Schubert-Programm namens „Pfad des Lebens“ inspiriert. Der reicht zyklisch geschlossen sich zu einer Art von einzigem Liedfluss fügender kausaler Geschichte nicht ganz unerwartet von Liebe und Sehnsucht über die Suche nach innerem Frieden, Hoffnungslosigkeit bis zur Erlösung. Und wurde sinnfällig mit berühmteren und periphereren Titeln gefüllt, 18 insgesamt. Markant und gestalterisch wertig ist dabei der Tastenbeitrag von Simon Lepper. Und ähnlich drängend wie nuancenreich füllt Ilker Arcayürek die Texte mit Tönen, gestaltet eindringlich, originell und trotzdem zurückhaltend. Er hat eine gutsitzende Mittellage, ein herbes, aber auch ein wenig ermüdendes, zu wenig wandlungsfähiges Timbre. Er fesselt mit seiner Gestaltungskraft. In der Höhe aber fehlt es, je länger man ihm zuhört, an Farben und Schattierungen, da scheint es nur monochrom weißlich. Lieder wie „Dass sie hier gewesen“, „Du bist die Ruh“ oder „Auf dem Wasser zu singen“ gelingen packend im Ausdruck, aber stimmlich hat man das schon variantenreicher gehört. Was mit der tändelnden „Fischerweise“ begann, schließt sich freilich gekonnt und nostalgisch mit „Des Fischers Liebesglück“.

Matthias Siehler, 03.04.2021



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