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Giovanni Battista Pergolesi, Angelo Ragazzi, Joan Rossell

Stabat Mater, Salve Regina, Sonata a quattro op. 1/IV

Giulia Semenzato, Lucile Richardot, Ensemble Resonanz, Riccardo Minasi

harmonia mundi HMM 902673
(64 Min., 9/2020)

Man muss nicht auf historischen Instrumenten spielen, um eine mitteltönige Stimmung zu verwenden. Man muss nicht Vibrato-frei singen, um in einem insgesamt historisierend anmutenden Klangbild nicht deplatziert zu wirken. Riccardo Minasi pflegte schon immer einen etwas querständigen Ansatz, mit dem er auch den Rezensenten beim Verorten der eingesetzten Mittel zuweilen ins Schleudern bringt. Aber grundsätzlich verpflichtet sind er und sein Ensemble eben dem Ausdruck der Musik, bei den vorliegenden Vokal-Werken der textgenerierten Gesamtaussage. Und da gibt es auf Basis von Giovanni Battista Pergolesis fast schon frühklassisch abgespecktem musikalischen Satz eine Menge zu erleben. Wütendes Aufbegehren, beinahe tonloses Verhauchen, aufpeitschendes Herausplatzen – so weit hat sich wohl selten ein Ensemble beim Gestalten des „Stabat Mater“ vorgewagt. Die Sopranistin Giulia Semenzato und die Mezzosopranistin Lucile Richardot bringen das nötige stimmliche Ausdrucksspektrum für Minasis Abenteuerreise mit, daran kann kein Zweifel bestehen. Ob es denn bei der frommen Bruderschaft, für die das Stück einst komponiert wurde, so getönt hat, sei einmal dahingestellt. Aber die Substanz des Stücks gibt eine solche Interpretation durchaus her, ja fordert sie vielleicht sogar.

Michael Wersin, 03.04.2021



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