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Paul Hindemith

Sonaten für Flöte und Klavier, Oboe und Klavier, Klarinette und Klavier, Fagott und Klavier, Althorn und Klavier

Les Vents Français, Eric Le Sage

PLG/Warner 9029504441
(62 Min., 1 & 4/2016, 1/2017)

Von Selbstbewusstsein, ja Trotz zeugt es, wenn sich das Allstar-Bläserensemble Les Vents Français ausgerechnet Paul Hindemith vorknöpft. Der gilt als Spaßbremse. Zwar existiert von der Hornsonate eine einsame, frühere Aufnahme mit Glenn Gould am Klavier. (Und von der Fagott-Sonate mit Swjatoslaw Richter.) Ansonsten hat, wer immer konnte, Hindemith umschifft.
Mit Unrecht. Auch Hindemith, ohne Verschulden, fiel durch Eigensinn der allgemein herrschenden Musik-Dogmatik zum Opfer. Die duldet außer der Zweiten Wiener Schule blamabel wenig. Hindemith indes schien sich beim Komponieren gern in Tönen zu vergreifen; als hätte er sich im Setzkasten geirrt. Die gewisse Unbequemlichkeit, zu der dies beim Hören führt, können nur allerbeste Interpreten ausgleichen und in Sinn verwandeln. Die hier können es.
Bei Emmanuel Pahud zeigt die Flötensonate geradezu Spitzenunterwäsche, so sinnlich-lässig räkelt sich der Solist. François Leleux rückt die Oboensonate in schönste, unmittelbare Richard-Strauss-Nähe. Durch Paul Meyer atmet die Klarinetten-Sonate sardonischen Witz. Und die Fagott-Sonate, hier mit Gilbert Audin (sonst Solist der Opéra de Paris), ist ohnehin eine der schönsten Preziosen der Bläser-Literatur. Dass Hindemith witziger war als sein Klischee will, zeigt auch der gesprochene 4. Satz („Zwiegespräch“) der Althorn-Sonate (mit Radovan Vlatković).
Allen Werken dieses „Quintetts in Sonaten“ gibt Eric Le Sage ungeahnt schönen, französischen Aufwind. Man hätte ahnen dürfen, dass Hindemith – der Komponist des „Nusch-Nuschi“ und von „Mörder, Hoffnung der Frauen“ – durchaus Humor besaß. Hier hört man’s. Volltreffer.

Robert Fraunholzer, 03.04.2021



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