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Promises

Pharoah Sanders

Luaka Bop – Indigo/375 Media 05206332
(46 Min., 2016–2020)

Da treffen sich ein Neurologe mit Doktorgrad und ein Saxofonist mit Meriten. Der eine, nebenbei noch ein ausgebildeter Pianist, hat sich unter dem Namen „Floating Points“ als DJ einen Namen gemacht, und der andere zählte in den 1960ern in der Band von John Coltrane mit rauen, eruptiven Sounds zu den Innovatoren des Jazz. Floating Points nennt sich der eine, der am 21. Mai 1986 als Sam Shepherd geboren wurde, und Pharoah Sanders ist der andere. Er wurde mit dem Geburtsdatum vom 13. Oktober 1940 als Ferell Sanders ins Geburtsregister eingetragen.
Beide brachten Neues in das Feld, in dem sie arbeiten, also musizieren. Floating Points meidet mit seinen Computersounds die aufpeitschenden Beats des Techno. Er bevorzugt minimalistische, intensive Klänge und weiträumige, eher von Ambient beeinflusste Stimmungslandschaften. Seine Alben „Elaenia“ (2015) und „Crush“ (2019) zeigen ihn als Meister feinster elektronischer Klangnuancen. Sanders, ursprünglich ein Heißsporn, ließ seine Hitze im Lauf der Zeit abkühlen und wandelte sich zum Meister feiner Intonationsnuancen auf dem Tenorsaxofon.
Beide verbindet die Vorliebe für Klänge jenseits der gängigen Muster ihres Genres. Während Sanders Töne eindeutig aus einem Saxofon stammen, fällt es schwer, die Sounds aus Floating Points Computern konkreten Instrumenten zuzuordnen. Zu vielfältig ist die Pracht, die Assoziationen an Flügel, Celesta, Orgel, Glocken, Gongs, Klangschalen, diverse Saiten- und Blasinstrumente, Vintage-Computer und vieles andere weckt. Zudem komponierte er für das Gemeinschaftswerk mit Sanders Klangflächen für die Streicher des London Symphony Orchestra, die seine synthetischen Sounds unauffällig aber effektiv ergänzen. Rau und zart, voluminös und brüchig, reich an Atem und Obertönen bereichert Sanders den 46-minütigen Klangfluss. Fünf Jahre arbeiteten die beiden an der Disc „Promises“. Das Ergebnis ist ein Meisterwerk der meditativen, auf ihren Kern konzentrierten Musik und einer der spannendsten Grenzgänge der vergangenen Jahre.

Werner Stiefele, 27.03.2021



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