Rudolf Schock hat nach wie vor nicht den besten Ruf. Den hat er sich mit den allzu späten Operetten und viel geschmacksfreiem Volksgetümel verdorben. Doch der in Duisburg geborene Tenor (1915–1986) war in seinen jungen und mittleren, leider vom Krieg unterbrochenen Karrierejahren ein ausgezeichneter Künstler. Nicht unbedingt der subtilste Spezialist, wie etwa seine historischen Aufnahmen mit italienischen Partien belegen, in einer ersten 10-CD-Box rechtefrei bei Hänssler zusammengefasst. Da klingt vieles für heutige Maßstäbe dann doch provinziell und gleichförmig. Stärker war der mit der Intonation bisweilen auf Kriegsfuß stehende Schock freilich in Zwischenfachpartien; die nun als Volume 2 vorgelegte 10-CD-Box greift mit für das Radio produzierten Audiobeispielen auf seine goldenen Jahre zurück. Zu hören sind – stets wie damals üblich auf Deutsch – einmal Offenbach, einmal italienischer Mozart, Auber und zweimal Tschaikowski: „Hoffmanns Erzählungen“, (1950) „Così fan tutte“ (1954), „Fra Diavolo“ (1954), „Eugen Onegin“ (1952) und „Pique Dame“ (1947) sind diesmal im Hörkörbchen.
Schocks kräftige Naturstimme hat sofort Wiedererkennungswert, und auch wenn die in technischer Hinsicht erstaunlichen, zudem restaurierten Aufnahmen meist massiv gekürzt sind, so kann man sie nur nachhaltig empfehlen. Schock singt ehrlich, mit heute vielleicht als altmodisch empfundener Technik, aber immer engagiert. Toll seine trunkene Attacke als Hoffmann, seine Zerquältheit als Hermann in „Pique Dame“. Die Diavolo-Eleganz und die Lenski-Melancholie erfasst er ebenso gut. Und zudem sind als Partner Künstler wie Martha Mödl (Giulietta), Alexander Welitsch (Offenbach-Bösewichte), Wilma Lipp (Olympia, Zerline), Sena Jurinac (Tatjana), Gottlob Frick (Gremin), Margarete Klose (Gräfin), Elisabeth Grümmer (Lisa) und Suzanne Danco (Fiordiligi) aufgeboten.

Matthias Siehler, 20.03.2021



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