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Giuseppe Verdi

Bariton-Arien

Ludovic Tézier, Orchestra del Teatro Comunale di Bologna, Frédéric Chaslin

Sony Classcial 19439753632
(82 Min., 1/2020)

Erstaunlich, da muss ein heutiger Weltstar der Oper, der beste Verdi-Sänger in der Baritonstimmlage zudem, 52 Jahre alt werden, um sein erstes Soloalbum vorlegen zu können. Weil er eben nur noch einem kleineren Kreis Eingeweihter bekannt ist. Die Zeiten, da ein Piero Cappuccilli auch live im italienischen Hauptabendfernsehprogramm aufgetreten ist, sie sind lange schon vom Opernwinde verweht. Aber der Franzose Ludovic Tézier tut nun das Seine, und er tut das sehr direkt, uneitel und bar zahlend. Seine Debüt-CD heißt einfach nur „Verdi“, ist über 80 Minuten lang und versammelt überraschungslos und ohne jede Recherche-Ambition die populären Bariton-Arien aus den bekanntesten Verdi-Opern. Da muss schon der wohltönend gerundete, markant intonierende Don Carlo aus dem Frühwerk „Ernani“ als Rarität gelten. Selbst Ausflüge ins französische Verdi-Fach gönnt sich Tézier nur sparsam, mit dem melodisch-melancholischen Posa-Tod aus beiden „Don Carlos“-Fassungen. Es gibt keine Chöre und Comprimarii, einzig das schnörkellos und könnerisch mit Verdi in der musikalischen DNA praktizierende Orchestra del Teatro Comunale di Bologna unter dem routinierten Frédéric Chaslin. Und was Tezier an unterscheidender Charakterkunst für so differenzierte Typen wie Jago, Ford, Vater Germont, Macbeth oder Rigoletto fehlt, das macht er durch sein gesundes, warmes, technisch makelloses Singen wett. Da ist eine wiedererkennbare Stimme mit individuellem Timbre zu hören, da wird nichts gedrückt, da gellt nichts, da ruht ein Künstler gelassen auf seinem sehr gut sitzenden Stimmbesitz. Tézier ist nicht der größte Temperamentsbolzen, aber er glänzt mustergültig als versatiler Interpret. Und das ist heute im immer geschmacksneutraler klingenden Sängerzirkus sehr, sehr viel.

Matthias Siehler, 06.03.2021



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Kommentare

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stefan59
Vielen Dank für diese interessante und angemessene Rezension. Ludovic Tézier hat sicher eine technisch gut geführte Stimme mit individuellem Timbre. In Gesamtaufnahmen von Bellini (Il Pirata)- und Donizetti-Opern hat er dies demonstriert. Was ihm aber fehlt ist das Ausnahmetimbre, ganz besonders benötigt für Rollen wie Carlo in Ernani und Graf Luna im Troubadour. Bei Rigoletto und Jago kann man hingegen viel mit Intelligenz wettmachen. Ausnahmestimmen wie die von Leonard Warren gibt es nur selten. Und Herr Siehler nennt im Zusammenhang Piero Cappuccilli, von dem es, soweit ich mich entsinne, kein offizielles Recital gibt. Cappuccilli hatte nicht unbedingt ein Ausnahmetimbre, aber er hatte eine Atemkontrolle, die ihm erlaubt den Unterschied beim von Verdi gesuchten Effekt zu machen; und er konnte mit Karajan, Abbado, Sinopoli und Giulini arbeiten.




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