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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 4 G-Dur

Anna Lucia Richter, Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša

Accentus/Naxos ACC30532
(56 Min., 7/2020)

Was für eine wunderbare Aufnahme! Ganz besonders aber, wenn man das Datum der Einspielung sieht: Juli 2020. Der erste Corona-Lockdown war vorbei, in Bamberg kamen die spielfreudigen, erwartungsfrohen Symphoniker zusammen, um sich – durchaus auch als therapeutische Maßnahme zur Wiederherstellung der Orchestermoral – unter ihrem charismatischen Chef Jakub Hrůša erstmals für die CD gemeinsam einer Mahler-Sinfonie zur widmen. Die Vierte hatte man sowieso kurz vor Konzerttoresschluss aufgeführt, wegen der vergleichsweise kleinen Besetzung war sie auch jetzt pandemietauglich. Obwohl man, um dem geltenden Hygieneschutz zu genügen, das Konzertsaalpodium um zwei Meter verlängern und die Streicher etwas verringern musste. Nichts davon ist auf dieser blitzgescheiten, entspannt wachen, gerade in den vielen Details begeisternden Einspielung zu hören. Die Bamberger sind natürlich aufgrund ihrer ex-böhmischen Spieltradition ein hervorstechendes Mahler-Orchester, unter ihrem letzten Chef Jonathan Nott haben sie einen angenehm runden Mahler-Zyklus bei Tudor vorgelegt (die 4. war vor 11 Jahren dran) und Hrůša ist Tscheche. Doch das akustisch tolle Ergebnis klingt noch besser als erwartet. Weil man hochintelligentes, könnerisch gewitztes Musizieren aus einem Guss erlebt. Da wird sofort reagiert, instrumental Optimales variantenreich angeboten. Hrůša formt und schwelgt, hört aber gerade hier das Doppelbödige, Vibrante, hinter der Schönheit und Innigkeit immer auch Sarkastische und Zartgrelle heraus. Das alles erklingt im natürlichen Fluss, nichts scheint erzwungen oder überzeichnet. Mit ihrer nach wie vor mädchenhaften, ebenfalls wissend hintergründigen Sopranstimme fügt sich Anna Lucia Richter herrlich in den vierten Satz. Wahrlich, himmlische Freuden, auch wenn draußen nicht der Metzger Herodes, aber ein gewisses Virus wartet.

Matthias Siehler, 20.02.2021



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