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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Reflex (Jazz Thing Next Generation Vol. 86)

Phillip Dornbuschs Projektor

Double Moon/Bertus DMCHR71383
(41 Min., 2/2020)

Diese Musik wirkt auf den ersten Hörgang trotz ihrer Raffinesse nüchtern und oftmals geradezu distanziert. Radikale Temperamentsausbrüche sind nicht die Sache des Quartetts um den Saxofonisten Phillip Dornbusch. Vielmehr sieht man sich auf seinem Album-Debüt einem Geflecht von Linien und Figuren gegenüber, die von Saxofon, Klavier (Johanna Summer), E-Gitarre (Johannes Mann), Kontrabass (Roger Kintopf) und Schlagzeug (Philip Dornbusch, sic!) präzise gestaltet werden.
Wohl nicht umsonst trägt die Band das Wort „Projektor“ im Namen: Sie begreift sich als Medium, das Formen, Bewegungen, Schatten- und Lichtspiele hervorbringt. Berlin, der Wohnort des Bandleaders, scheint dabei eine gewisse Inspirationsquelle zu sein. So wie im Stück „Boomtown“ gehen auch die Bauarbeiten in der Hauptstadt gerne mal vonstatten – nervös auf der Stelle tretend, mit einem gewissen Reibungsverlust gegen Widerstände ankämpfend, stets im Werden und nie ganz fertig.
„Unhinged Wolf“ wiederum evoziert im Feedbackgrollen der E-Gitarre zunächst eine ferne Bedrohung aus den Wäldern Brandenburgs. Bis dann wie Fallen ausgelegte Themengirlanden kommen, die sich knotengleich zuziehen. Berechnende Großstadtwölfe kommen einem in den Sinn. Und dann wäre noch der „Hipster Frankie“, den Bass und Saxofon im Intro des gleichnamigen Stücks als skurriles Missverständnis zeichnen.
Man kann gerne völlig andere Assoziationen haben, denn genau das ist es ja, was das Debüt von Phillip Dornbuschs Projektor bezweckt. Es geht um das, was die Musik im Empfänger auslöst – um den im Albumtitel beschworenen Reflex. Von wegen also Distanz: Dadurch, dass Dornbusch den Hörer mit in den Schöpfungsprozess einer eigenen Gedankenwelt einbezieht, kommt er ihm ganz nah. Ein cleverer Erstling.

Josef Engels, 13.02.2021



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