Responsive image
Georg Friedrich Händel

Tamerlano

Monica Bacelli, Tom Randle, Graham Pushee, Anna Bonitatibus, Elizabeth Norberg-Schulz, The English Concert, Trevor Pinnock, Jonathan Miller

Arthaus/Naxos 100 702
(323 Min., 2001) 2 DVDs, Dolby digital, PCM-Stereo; PAL 16:9

Jonathan Miller ist nicht nur (Opern-)Regisseur, sondern auch ausgebildeter Neurologe. Das erfährt man aus der reichhaltigen Dokumentation, die diesem DVD-Mitschnitt von den 50. Händel-Festspielen in Halle 2001 angefügt sind. Daran anschließend und daraus folgend, vernimmt man auch Millers erklärtes Ziel, "menschliche Verhaltensweisen auf die Bühne zu übertragen". Leider wird, wer bei Händels Oper "Temerlano" hiernach suchet, so gut wie gar nichts finden.
Anstelle menschlicher oder gar allzu menschlicher Aktionen wird hier im Kreis geschritten, werden Hände gerungen und die langen Da-capo-Arien an der Rampe abgesungen. Dass Jonathan Miller die Handlung - ein türkischer Herrscher verliebt sich, obwohl er eigentlich bereits verlobt ist, in die Tochter eines fürstlichen Gefangenen, obwohl die eigentlich selbst auch schon amourös verbandelt ist - vom 15. ins 18. Jahrhundert verlegte, könnte einem egal sein, zeitigte es nicht jene farbenprächtigen Kostüme, die diese Produktion sicherlich als ihr Aushängeschild betrachten darf.
Da mich schöne Kostüme, die nur herumstehen und -gehen, nicht sonderlich interessieren, konzentrierte ich mich auf das, was zu hören war. Und hier war der Eindruck wenigstens gemischt. Gut und mit einigem Ausdruck singen die beiden Kontrahenten Graham Pushee (Andronicus) und Monica Bacelli (Tamerlano) - doch enttäuschend wirkte das von Trevor Pinnock zu sehr hölzernem und überaus breitem Spiel angeleitete, zudem nicht immer ganz präzise English Concert.

Susanne Benda, 16.05.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top