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Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68, Tragische Ouvertüre

Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt

Pentatone/Naxos PTC 5186850
(63 Min., 9, 10/2019)

Die 2. und die 4. Sinfonie von Johannes Brahms hat Herbert Blomstedt bereits um die Jahrtausendwende während seiner Gewandhauskapellmeisterzeit mit den Leipzigern eingespielt. Doch jetzt hat der 93-jährige, ungebrochen älteste aktive Dirigent im ewig golden leuchtenden Herbst seiner außerordentlichen Karriere nochmals mit dem ihm bestens vertrauten und ergebenen Gewandhausorchester einen kompletten Zyklus begonnen. Nach seinerzeit Decca diesmal für Pentatone. Und die erste Folge, ganz chronologisch mit der 1. Sinfonie c-Moll plus der „Tragischen Ouvertüre“ – Blomstedt schickt sie ganz bewusst „in dieser Zeit als Hoffnungszeichen in die Welt“ – sie lässt Schnalzen und Schwärmen. Weil sich hier niemand etwas beweisen muss. Weil man entspannt und doch wach eine allseits bekannte Partitur auskostet und abklopft, professionell, aber liebevoll und ohne jede Routine. „Hochsensibel und fantasievoll“, so lobt der alte Meister seine Instrumentalisten. Musizieren als Pingpong, als Geben und Nehmen, als Anbieten, Aufnehmen und Folgen. Der greise Herr steuert souverän, aber risikobereit, die Musiker folgen traumsicher, transparent und transzendent klar. Und doch gibt es hier einen schön altmodischen, warmen, satten Klang, beweglich flexible, intuitive Rubati, organische Tempo- und Dynamikbewegungen. So gelingt das Kunststück wortloser Kommunikation, eines farbenreichen Parlandos durch Phrasierung, immer neu, überraschend, beredt und espritvoll. Lieder und Unterhaltungen ohne Text, aber dicht und erfüllend. Das hat schon im ersten Satz Kraft und Nachdruck, hausiert mit den Kräften. Meisterlich disponiert sind die Schattierungen des Andantes, genau gestaffelt geht es ins Finale. Weisheit des Alters, aber frisch und vital.

Matthias Siehler, 21.11.2020



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