Arminius ist verheiratet mit Tusnelda. Ihr Vater Segeste ist Arminius nicht wohlgesonnen. Tusneldas Bruder Sigismondo ist mit der Schwester des Arminius, Ramise, liiert. Auf Tusnelda wiederum hat auch Varus ein Auge geworfen. Der aber ist im Gegensatz zu allen anderen nicht Germane, sondern Römer: jener unglückliche General, zu dem Augustus gesagt haben soll: „Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder!“. Hat er aber nicht, hat sie vielmehr verloren, gegen Arminius, irgendwo am Teutoburger Wald. Und Arminius steht als „Hermannsdenkmal“ in der Nähe von Detmold wilhelminisch-überlebensgroß in der Geografie herum (das hat er nun davon).
Dies alles ist natürlich Stoff für große Oper. Händels „Arminio“ ist in der Musikgeschichte der Tatsache zum Opfer gefallen, dass in den 1730er Jahren die Briten viel lieber fromme Oratorien hörten: Ein wenig nach dem „Arminio“ hat Händel seinen „Messias“ komponiert. Doch die schlechte Presse, die das Stück bald wegen seines arg künstlich geschürzten dramatischen Knotens bekommen hat, hat es nicht verdient. Mag das Libretto in den Rezitativen auch jeder Logik entbehren, die Arien sind melodisch berückend schön - selbst wenn sie gelegentlich ganz ohne jeden Anlass gesungen werden.
Die psychologisierende Behandlung des Orchesters, das fern aller Schemata die Handlung begleitet, verwandelt das Stück dennoch in packendes Musikdrama, nicht zuletzt dank der Ausdrucksintensität des hier musizierenden Complesso Barocco. Aus dem ordentlichen, aber nicht überragenden Sängertableau ragt der schlicht wirkende, jedoch überaus kunstvoll geführte Sopran von Dominique Labelle hervor: Diese Barock-Sopranistin wird man sich merken müssen.

Stefan Heßbrüggen, 17.07.2001



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