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Franz Schubert, Robert Schumann

Schwanengesang, Dichterliebe

Daniel Behle, Orchester der Kammeroper München, Christophe Gördes

genuin/Note 1 GEN20710
(80 Min., 10/2019)

Jedes der von dem Tenor Daniel Behle längst unabhängig und unbekümmert von etwaiger Plattenfirmenpolitik produzierten Alben hat irgendeinen Kick. Nur mit Bewährtem, oftmals Aufgenommenem gibt sich der inzwischen ins leichtere Wagnerfach Strebende ungern zufrieden. Und so ist es auch mit der neuesten Behle-Scheibe. Das Repertoire mit Franz Schuberts „Schwanengesang“ und Robert Schumanns „Dichterliebe“ mutet zwar auf den ersten Blick konventionell an, aber schon der erste Akkordeonauftakt für „Reizendes Bächlein“ in der „Liebesbotschaft“ macht klar: Wir hören hier die bewährten und beliebten Zyklen in einem neuen, kammerorchestralen Klanggewand. Behle, der übrigens selbst komponiert und gerade eine Operette fertiggestellt hat, beauftragte dafür den Arrangeur Alexander Krampe. Der hat mit einem Streichsextett, drei Bläsern sowie Akkordeon und Gitarre als Anklänge an die Schubertiaden eine farbenreiche Instrumentierung geschaffen. Die Mitglieder des Orchesters der Münchner Kammeroper unter dem dynamischen Christophe Gördes spielen das sehr engagiert. Die sattsam ausgedeuteten Lieder bekommen so eine stärkere Dramatik, das kommt Behles größer gewordenem, inzwischen lyrisch-dramatischem Tenor zugute. Da ist der Glanz der Jugend etwas matter geworden, mancher Ton klingt hohl, aber er hat an Ausdrucknuancen und Attacke gewonnen. Stahl und Verletzlichkeit paart sich auf dieser Aufnahme apart – Schuberts „Doppelgänger“ wird so schrecklich schön. Daniel Behle kann aber nach wie vor den seligen Liebestaumel, das sich Vergessen, die märchenhaften Stimmungen. So ist das schmerzlich und reizend zugleich. Eine gut romantische Mischung, manchmal sogar fast volksliedhaft.

Matthias Siehler, 03.10.2020



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