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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Looking At Sounds

Michel Benita

ECM/Universal 0872884
(63 Min., 3/2019)

Bei seiner ersten ECM-Veröffentlichung als Leader hatte der französische Bassist Michel Benita noch die Koto-Spielerin Mieko Miyazaki und den E-Gitarren-Verfremdungskünstler Eivind Aarset hinzugebeten. Verglichen damit wirkt die Quartettbesetzung auf dem Nachfolger deutlich unexotischer: Flügelhorn, E-Piano, Kontrabass, Schlagzeug, das warʼs.
Und doch entfalten die Stücke des Bassisten, dem als Gründungsmitglied des Orchestre National de Jazz, Folk-Fan und Begleiter von Archie Shepp oder Erik Truffaz nichts fremd ist im weiten Feld der Improvisationsmusik und seiner Nachbargebiete, auf „Looking At Sounds“ eine ganz eigene, außerweltliche Magie.
Das liegt zunächst einmal am Flügelhornspiel des Schweizers Matthieu Michel. Sparsam ist das, transparent und schwebend – wie ein rätselhaftes Quallenwesen, das sich im Takt des Wellengangs bewegt. Für diesen sorgen der Bandleader und sein Schlagzeuger Philippe Garcia, die das Geschehen mit ostinaten, krummtaktigen Figuren gleichzeitig erden und antreiben.
Den wichtigsten Anteil am speziellen Klangcocktail des Album hat jedoch der belgische Keyboarder Jozef Dumoulin. Sein in vielen Farben schillernder Rhodes-Sound ist gewissermaßen die Nährflüssigkeit, aus der sich die Stücke entwickeln.
In Kombination mit Michels Flügelhorn fühlt man sich da oft an Miles Davisʼ „In a Silent Way“ erinnert. Allerdings auf der Grundlage einer Melodik, die nordafrikanische Einflüsse (wie etwa in „Dervish Diva“) genauso wie Bretonisches („Berceuse/Gwell Talenn“) oder Brasilianisches (in Form von AC Jobims „Inutil Paisagem“) zu integrieren weiß.
Angesichts der Bilder von fremdartigen Landschaften, bewegten Gewässern und sanften Hügellandschaften, die die Musik auf „Lookin At Sounds“ evoziert, hätte das von Benita solo vorgetragene Abschlussstück einen möglicherweise noch besseren Albumtitel hergegeben: „Never Never Land“.

Josef Engels, 26.09.2020



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