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Antonio Vivaldi

Il Tamerlano

Bruno Taddia, Filippo Mineccia, Delphine Galou, Sophie Rennert, Marina De Liso, Arianna Vendittelli, Accademia Bizantina, Ottavio Dantone

Naïve – Indigo/375 Media 05200742
(153 Min., 2/2020) 2 CDs

Die im Barockopernbereich wichtigste CD-Edition ist neuerlich um einen Schatz reicher. Als Volume 69 hat sich Ottavio Dantone mit seiner direkt klingenden Accademia Bizantina des komplexen Dreiakters „Tamerlano“ angenommen. Unzählige Nuancen in der Partitur leuchten, vom sanften Cello-Akkord im Rezitativ über funkelnde Off-Beat-Akzente und Pizzicati. Wobei Vivaldi nur teilverantwortlich ist. Die auch „Il Bajazet“ genannte, 2005 unter diesem Titel bereits einmal von Fabio Biondi und Europa Galante für Erato eingespielte Oper ist eines jener damals gar nicht so seltenen, vom Prete Rosso zusammengestellten Pasticci mit Originalkompositionen Vivaldis, zudem Arien aus eigenen älteren Opern sowie von Geminiano Giacomelli, Johann Adolph Hasse und Riccardo Broschi. Die Uraufführung fand 1735 in Verona statt. Und basiert auf demselben Libretto wie Händels „Tamerlano“.
Erzählt wird die Geschichte des tatarischen Kaisers Tamerlano, der den osmanischen Sultan Bajazet besiegt hat. Und obwohl es damals schnell gehen musste, daher die Anleihen, ist es trotz der üblichen Seria-Intrigen-Wirrnis eine ungewöhnlich dramatische Oper, mit originalen, die Konflikte äußerst realistisch zuspitzenden Rezitativen und starken, individuellen Arien für die Protagonisten. Der Bass Bruno Taddia glänzt in der Titelrolle, Filippo Mineccia hat eine ambivalent dramatische Countertenorstimme für den Tamerlano, zeigt Härte und boshaften Zorn. Marina De Liso vermittelt die Schwäche des unentschlossenen Andronico. Delphine Galou ist eine bewegende und würdevolle Asteria. Sophie Rennert beeindruckt als Irene, und Arianna Vendittelli ist den schwierigen technischen Herausforderungen als Andronicos Freund Idaspe ideal gewachsen.

Matthias Siehler, 26.09.2020



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