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Antonio Vivaldi, Aureliano Cattaneo, Marco Stroppa u. a.

„Whatʼs Next Vivaldi?“ (Concerti u. a.)

Patricia Kopatchinskaja, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

Alpha/Note 1 ALPHA624
(71 Min., 11/2018)

Der venezianische Extrem-Vielschreiber Antonio Vivaldi und die Neue Musik – bei dieser Kombination muss man stutzen. Denn dass Vivaldis zumeist schematische Klangsprache eine ähnliche Inspirationskraft für zeitgenössische Komponisten haben soll wie etwa das Werk Bachs oder Schumanns, mag man dann doch kaum glauben. Aber nun tritt ein Musikerteam den Gegenbeweis an, bei deren klangvollen Namen man bereits Außergewöhnliches erwartet. Die italienische Originalklang-Truppe Il Giardino Armonico samt Gründer und Flötist Giovanni Antonini haben schon oft bei Vivaldis Musik durchaus abenteuerlich die Bremsen gelockert. Und mit Patricia Kopatchinskaja ist eine Allrounderin zu hören, die sowieso am liebsten gegen den Strom angeigt. Von der Stange kommt daher erwartungsgemäß keins der insgesamt fünf Concerti daher, die man für den musikalischen Brückenschlag vom 18. ins 21. Jahrhundert ausgesucht hat. Dazwischen wurden aber auch nicht einfach fünf kürze Stücke aus der Feder irgendwelcher italienischer Gegenwartskomponisten gestreut, die man für dieses Projekt „Whatʼs Next Vivaldi?“ eingeladen hat. Aureliano Cattaneo hat mit „Estroso“ eine wilde Vivaldi-Phantasmagorie für Mini-Barockensemble beigesteuert. Luca Francesconis „Spiccato il volo“ für Solo-Geige bildet als nahtlos ineinander übergehendes Scharnier zwischen den Vivaldi-Konzerten RV 157 & 191 ein irrwitziges Non-Stop-Powerplay. Und während hinter Marco Stroppas „Dilanio avvinto“ für Geige und Flöte ein Anagramm von Antonio Vivaldi steckt, das „Gefesselt zerfleische ich“ bedeutet, leitet Giovanni Sollimas „Moghul“ zu eben Vivaldis Violinkonzert „Il Grosso Mogul“ hinüber, bei dem Kopatchinskaja den Bogen nicht allein hin zum Balkan schlägt. Gleich im ersten Satz bietet sie in der Solo-Kadenz von Vivaldi ein sagenhaft buntgeschecktes Panorama von Stimmungen und Geigentechniken. Atemberaubend!

Guido Fischer, 26.09.2020



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