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Antonín Dvořák

Cellokonzert op. 104, Sechs Miniaturen

Kian Soltani, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

DG/Universal 4836090
(62 Min., 10/2018, 1/2020)

Kian Soltani hat ein Problem. Der wunderfeine, hochsensibel spielende Perser, der in Vorarlberg aufgewachsen ist, war lange auch Cellist in Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra. Und aus dieser Umklammerung kommt er kaum raus, will er ja auch nicht, denn der große Name, der sich gern im Kreis der von ihm groß gemachten Nachwuchstalente sonnt, ist natürlich auch ein perfekter Steigbügelhalter. Zum Glück aber war der vielbeschäftigte Barenboim bei dieser Liveaufnahme mit der bestens aufgelegten, in diesem Repertoire goldrichtigen und feintönenden Staatskapelle Berlin motiviert und punktgenau auf dem Dirigierposten. So ist eine durchaus hörenswerte Aufnahme des klassischen, für jeden Cellisten essenziellen Dvořák-Konzerts entstanden. Ruhig und einprägsam entwickelt sich der erste Satz, das spät dazu tretende Soloinstrument dialogisiert fantasievoll und schlagfertig mit dem Orchester. Das Adagio blüht in großer, sanglicher Linie auf. Soltani spielt sein Können und seine Emotionalität strahlend aus, hat aber noch lustvolle Attacke und fröhliche Kraft für das Allegro moderato des Finales. Da ist noch ein wenig interpretatorische Luft nach oben, aber eine durchaus bemerkenswerte Deutung gelingt bereits jetzt. Stimmig und stimmungsvoll hören sich dann auch die sechs zugegebenen Dvořák-Miniaturen an, vom (gekürzten) zweiten Satz aus der Neunten, wo das Cello das Englischhornsolo ersetzt, bis zum oft malträtierten „Als die alte Mutter mich noch lehrte singen“. Sechs Kapellenkollegen am Cello assistieren im Hintergrund, und Kian Soltani darf sich neuerlich vor allem als einfühlsamer Lyriker positionieren.

Matthias Siehler, 12.09.2020



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