Hurra, es gibt mal wieder eine Weltersteinspielung von Jules Massenet! Nämlich sein erstes abendfüllendes Werk, das gesungene Mantel- und Degendrama „Don César de Bazan“ nach „Ruy Blas“ von Victor Hugo. Knapp und prägnant komponiert der 30-Jährige in dieser Opéra comique, vielfach klingt es wie sehr inspirierter Offenbach. 2016 präsentierte die Kompanie Les Frivolités Parisiennes das Werk auf einer Tournee durch Frankreich, im schnuckeligen Théâtre Impérial de Compiègne wurde von Naxos mitgeschnitten. Die Titelrolle ist eine Vorahnung jener Bass(-Bariton)-Glanzpartie, wie Massenet sie 1910 in seiner heroischer Komödie „Don Quichotte“ Fjodor Schaljapin auf den hageren Leib schrieb. Berühmt wurde als einzige Nummer später in Form einer virtuosen Koloratursopranarie eine orchestrale Sevillana. Ansonsten geht es hier wieder einmal um Liebe und Eifersucht, Jugend, Alter und Verzicht. Zentral ist ein Komödienversatzstück, das man tragischerweise aus Donizettis „Favorite“ und mit Witz aus Offenbachs „Périchole“ und später aus Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ kennt: Eine Dame zweifelhaften Rufs soll verheiratet und gleich wieder geschieden werden, damit sie dann standesgemäß einem adeligen Galan zugeführt werden kann. Die Titelrolle des Don César de Bazan singt Laurent Naouri mit grandios buffonesker Charakterisierungskunst. Als Lehrling Lazarille im jungenhaften Mezzoregister lässt sich ansprechend Marion Lebègue vernehmen. Elsa Dreisig ist mit frischen Sopranspitzen die Zigeunerin Maritana. Auch alle anderen gefallen, und das Ensemble Les Frivolités Parisiennes unter dem spritzigen Mathieu Romano wird seinem Namen gerecht.

Matthias Siehler, 22.08.2020



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