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Richard Strauss, Robert Schumann, Johannes Brahms, Peter Warlock, Alma Mahler, Hugo Wolf, Charles Ives, Albin Fries u. a.

„Fremde Heimat“ (Lieder)

Rafael Fingerlos, Sascha El Mouissi

Oehms Classics/Naxos OC 1711
(53 Min., 6/2019)

An der Wiener Staatsoper ist nun Schluss mit dem Ensemblevertrag, aber diesen jungen Bariton muss das nicht kümmern, Rafael Fingerlos, Vokalist aus dem Salzburger Land, hat seine Bühneneignung längst bewiesen. Und auch als Liedsänger hat er schon eindrucksvolle Proben seines Könnens abgelegt. Auf dem Cover präsentiert er sich zwanglos mit Undercut, in T-Shirt und Sneakers, und seine zweite Lied-CD für Oehms Classics offenbart neuerlich einen intelligenten, technisch souveränen Gestalter und einen dramaturgisch gewitzten Geist. In die „fremde Heimat“ entführt er diesmal mit 21 Liedern von Schubert bis zu dem 1955 geborenen Albin Fries, der gleichwohl ein harmonisch tönendes „Über allen Gipfeln ist Ruh“ vorlegt. Es beginnt hochromantisch mit „Keinen hat es noch gereut“ aus Johannes Brahmsʼ „Magelone“, es endet mit der der schlichten, tröstlichen Kärntner Volksweise „Deine Händ mecht i gspian“. Dazwischen steht ein Auf und Ab, eine sehr emotionale Reise zwischen Freude und Verzweiflung, der sprichwörtliche Wanderer sucht seine Heimat und findet sie lange nicht. Dabei sind Anna Schindler-Mahler und der unbekannte Robert Fürstenthal, Charles Ives und Peter Warlock ebenso gleichwertige Materialzuträger wie Schumann, Mendelssohn, Wolf oder Richard Strauss. Es findet sich Bekanntes und Randständiges, Rafael Fingerlos und sein bewährter, präsenter Klavierpartner Sascha El Mouissi präsentieren diesen ambivalenten Trip intensiv, doch lyrisch leicht, in vielen Farben und Stimmungen. Es wird nichts überbetont, Fingerlos nimmt aber trotzdem mühelos mit auf seine Reise, ein Irren und Wirren durch Orte und Stimmungen, mal aufbegehrend, mal ergeben.

Matthias Siehler, 22.08.2020



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