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Antonín Dvořák, Leoš Janáček, Josef Suk

„Bohemian Tales“ (Violinkonzert op. 53, Violinsonate, Vier Stücke für Violine und Klavier u. a.)

Augustin Hadelich, Charles Owen, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Jakub Hrůša

Warner Classics 9029527476
(81 Min., 10/2018, 11 & 12/2019)

Es muss ja nicht immer nur das bedeutende Solo-Konzert sein, um sich als großer Violinist zu präsentieren. Das kleine, scheinbar wenig anspruchsvolle Stückchen ist dazu genauso geeignet. Und Augustin Hadelich beweist sein Können nun gleich hier wie da. Unter dem Titel „Bohemian Tales“ steht sein Orchester- und Kammermusik-Album, das mit Antonín Dvořáks Violinkonzert eröffnet wird und danach über Leoš Janáčeks Violinsonate in diversen Kleinigkeiten mündet, etwa in den Arrangements von Dvořáks Lied „Als die alte Mutter“ sowie einer Klavier-„Humoreske“. Zuvor widmet sich Hadelich mit dem Pianisten Charles Owen den „Vier Stücken“ für Violine und Klavier von Dvořáks Schwiegersohn Josef Suk. Und ebenso genau in diesen nicht allein stimmungsvollen Weisen zeigt Hadelich seine ganze Kunst. Sein Spiel verströmt melodische Fülle und Weitbogigkeit. Sein Melos ist von überwältigender Schönheit und Intensität – wobei er nie auch nur einen Hauch ins Pathetische oder Marmeladig-Süßliche verfällt. In der finalen 4. Pièce entpuppt sich Hadelich gar als exquisiter Virtuose, der das Perpetuum mobile-hafte dieser „Burleska“ so geschliffen wie farbig gestaltet. All das ist schon ziemlich beeindruckend – aber eben noch nicht alles bei dieser Hommage an die böhmisch-mährische Spätromantik und frühe Moderne. Spannungsvoll und voller Widerhaken, dann wieder seelenvoll kantabel macht der Ausdrucksmusiker Hadelich aus Janáčeks Violinsonate ein Menschheitsdrama in vier Akten. Und bei Dvořáks Violinkonzert begegnen sich Furor und Sentiment, anspringendes Temperament und pulsierende Attacke auf Augenhöhe – auch und gerade im Miteinander zwischen Hadelich und dem von Gastdirigent Jakub Hrůša ideal eingestellten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Eine mehr als nur gelungene Violinplatte.

Guido Fischer, 08.08.2020



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