Ludwig van Beethoven

Lieder

Matthias Goerne, Jan Lisiecki

DG/Universal 4838351
(74 Min., 7/2019)

 

Ludwig van Beethoven

Lieder und Volkslieder

Ian Bostridge, Antonio Pappano, Vilde Frang, Nicolas Altstaedt

Warner 9029527643
(62 Min., 10/2019)

 

Man kann Ludwig van Beethoven sicher keinen Komponisten nennen, von dem nur ausgewählte Werke gespielt werden, aber natürlich gibt es auch bei ihm unbekanntes, selten beleuchtetes Terrain. Ein kaum beachtetes, dabei sträflich vernachlässigtes Katalogkapitel sind freilich seine Lieder. „Adelaide“ und der erste Liedzyklus überhaupt, „An die ferne Geliebte“, sind bekannt und werden aufgeführt, aber noch etwa 70 weitere Titel gibt es – plus die Hunderte von englischen und schottischen Volksliedbearbeitungen, die ein einträgliches und schnelles Geschäft waren. Im Jubiläumsjahr haben jetzt mit dem englischen Tenor Ian Bostridge und dem deutschen Bariton Matthias Goerne gleich zwei bedeutende Sänger jeweils ein Album mit Beethoven-Liedern vorgelegt, und natürlich lassen beide die berühmten Nummern nicht aus. Trotzdem setzen sie sehr unterschiedliche Akzente.
Bostridge ist mit seinem langjährigen Plattenpartner Antonio Pappano zu seinem Stammlabel zurückgekehrt. Er legt einen Fokus auf die vier verschiedenen Vertonungen von „Sehnsucht“ und endet mit einer unterhaltsamen Auswahl von englischen Volksmelodien, bei denen dann auch noch die Geigerin Vilde Frang und der Cellist Nicolas Altstaedt assistieren. Die lyrische Tenorstimme des 56-Jährigen hat sich gut gehalten, feinsinnig, wenn auch nicht völlig akzentfrei spielt er mit den Worten, gibt ihnen immer einen leicht spöttischen und damit modernen Unterton.
Matthias Goerne singt naturgemäß dunkler, gemütvoller, doch leicht und anrührend warm. Seine Tempi sind ruhiger. Von jeher sehr promisk im Ausprobieren neuer Begleiter hat er sich diesmal den jungen Kanadapolen Jan Lisiecki ausgesucht, der ganz im Erfolgsduktus seiner kürzlichen Klavierkonzerteinspielung mit einem frischen, natürlichen Tonfall ans Beethoven-Werk geht. Beide Sammlungen stellen mit den sechs Liedern op. 48 auf Texte von Christian Fürchtegott Gellert einen ganz eigenen Schwerpunkt vor. Gelungen sind beide Alben – gerade wegen ihrer so verschiedenen Zugangsweise.

Matthias Siehler, 25.07.2020




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