Der Komponist Alessandro Stradella (1643–1682) ist nicht nur wegen seines bewegten Lebens noch zu entdecken. Immerhin erfreut sich seine hochexpressive, dabei ökonomische Kirchenmusik steigender Beliebtheit. Zum dritten Mal eingespielt wurde sein mit 80 Minuten knappes, dabei arios farbenreiches Oratorium „San Giovanni Battista“, das ohne Chor und mit einem kleinen Instrumentalapparat auskommt. Das hat in der fast atemlosen Kürze sehr viel melodisch flammende Würze: 44 Nummern variantenreicher Barockmusik, mit ins Ariose sich weitendenden Rezitativen und mal mit Da-Capo-Teilen spielenden, mal nur abwechselnd lyrischen oder dramatischen Solostücken. Johannes der Täufer wird glaubensstark in einem arkadischen Ambiente gezeigt, bevor es ihm an den Kragen geht, weil die heftig und leider erfolgreich greinende Salome (hier „Herodiade la Figlia“ genannt) seinen Kopf fordert. Was sich unvermittelt und ohne Tanz auf einem Dominantakkord auflöst. Damien Guillon, der finessenreiche Countertenor, Dirigent und Leiter seines jungen, in Rennes angesiedelten Ensembles Le Banquet céleste lässt es demonstrativ ausklingen. Mit farbigem Spiel und unterhaltsamen Tempi, bissfest und geradlinig, überzeugt man zuvor. Biegsam tönt Counter Paul-Antoine Benos-Djian in der Titelrolle an der Spitze. Alicia Amo singt mit aufmüpfig hellem Sopran die Salome, die dunkel funkelnde Gaia Petrone leiht den wenigen Sätzen der Herodiade la Madre ihr kostbares Altorgan. Artavazd Sargsyan gibt mit charakteristischem Tenor den Consigliere, Olivier Dejain mit weichem, beweglichem Bassbariton den hier vergleichsweise mildgestimmten Herodes.

Matthias Siehler, 11.07.2020



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