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Hector Berlioz, César Franck, Maurice Ravel, Albert Roussel, Jacques Offenbach u. a.

The Legacy of Charles Munch (Complete Decca Recordings)

Orchestre de la Societé Philharmonique de Paris, L’Orchestre de la Societé des Concerts du Conservatoire de Paris etc., Charles Munch

Australian Eloquence/Klassik Center Kassel ELQ4840219
(1938–1968) 14 CDs

Charles Munch, der große alte Mann des Boston Symphony Orchestra, hatte auch eine Zeit davor. In Paris leitete er während der 30er-Jahre das – später aufgelöste – Konservatoriumsorchester (L’Orchestre de la Societé des Concerts du Conservatoire de Paris) sowie das heutige Orchestre philharmonique de Paris (damals: Orchestre de la Société philharmonique de Paris). Diese Klangkörper besaßen da noch einen absolut französischen Klang. Bedeutet: Transparenz bis zur Selbstauflösung, dazu innere Gelöstheit und Freiheit, wie sie nur im französischen Repertoire so gebraucht wird. Es ist seither einer groben Internationalisierung des Stils zum Opfer gefallen.
Der windhaft ephemere Geist kommt etwa der d-Moll-Symphonie von César Franck (1946) und Petitessen von Vincent d’Indy („Fervaal“, 1947), Fauré und Bizet wundervoll zugute – ebenso wie dem großem Favoriten Berlioz (für den Munch mehr geleistet hat als jeder andere Dirigent). Trotzdem war Charles Munch bei weitem kein Weichling oder dirigierender Ephebe. Die größere Leichtigkeit im Ansatz führt bei Offenbachs „Gaîté Parisienne“ sogar zu mehr dionysischem Schwung und Biss. Manchmal gibt’s auch skurrile Sachen. So erscheinen Respighis „Fontane di Roma“ wie meerartig erweiterte Riesenbecken, in denen der Champagner zum Bade einlädt.
Wichtige Akzente der Box liegen bei Albert Roussel (Petite Suite op. 39, „Le Festin de l’araignée“ etc.) und Ravel (Klavierkonzerte mit Jacqueline Blancard und Nicole Henriot-Schweitzer, 1938/49). Selbst zu Haydn, Mozart und Beethoven indes hatte dieser Dirigent, aufgrund seiner ‚Gewichtsabwürfe’, immer wieder Bemerkenswertes zu sagen.
Der Untertitel „The Complete Decca Recordings“ trifft die Sache nur halb; denn hier sind Polydor-, L’oiseau-lyre-, Véga-, Philips- und DG-Produktionen mit drin; etwa die pittoreske Aufnahme des Berlioz-Requiems mit Peter Schreier. Man mag zugestehen, dass die bei Warner und RCA erschienenen Munch-Boxen aufgrund besserer Aufnahmetechnik Vorrang genießen. Erstaunlich bleibt, wie unerschöpflich das grandiose Erbe dieses Dirigenten ist.

Robert Fraunholzer, 04.07.2020



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