Mendelssohn scherte sich in seiner Zweiten Sinfonie, die 1840 in Leipzig uraufgeführt wurde, wenig um die Gattungstradition. Ihm ging es um die Idee eines religiösen “Lobgesangs”, der sich vom Orchester in den Chor und schließlich in die Solo-Stimmen fortbewegt und weiterentwickelt: “Du verstehst schon, dass erst die Instrumente in ihrer Art loben und dann der Chor und die einzelnen Stimmen”, schrieb er an seinen Freund Klingemann.
Helmut Rillings Neueinspielung dieser “Sinfonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift” vermag in künstlerischer wie klanglicher Hinsicht wohl zu gefallen. In den ersten drei instrumental-sinfonischen Sätzen zeigt sich Rilling dabei als einfühlsamer Orchesterleiter, der die Mendelssohnsche Mischung von Triumphmarsch und sensibler Klangsinnlichkeit fein herausarbeitet. Von den Solostimmen ist der Tenor Christoph Genz hervorzuheben, dessen zurückhaltende Präsenz mir ausgesprochen gut gefällt.
So könnte die Einspielung als rundum gelungen bezeichnet werden, legte nicht einer der Soprane (der Diktion nach ist es die Kanadierin Norine Burgess) durchweg etwas zuviel Kraft und Vibrato in die Stimme, was sich leider auch negativ auf den Gesamtklang auswirkt - eine sinfonische Kantate ist eben keine dramatische Oper.

Thomas M. Maier, 31.05.1998



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