Responsive image
Guillaume Lekeu, Gabriel Fauré, Hector Berlioz, Reynaldo Hahn u. a.

„Nuits“ (Chansons)

Véronique Gens, I Giardini

Alpha/Note 1 ALP589
(62 Min., 8/2019)

Véronique Gens singt französische Chansons bzw. Mélodies aus der Romantik und der Belle Époque – man muss nicht etwa noch ihr letztes Album mit Ernest Chaussons Zyklus „Poème de l´amour et de la mer“ im Ohr haben, um bereits zur festen Überzeugung zu gelangen, dass diese Kombination wieder stimmig sein wird. Und die französische Sopranistin wird diesen Erwartungen auch vollkommen gerecht. Traumwandlerisch feiert sie die auch schlichte Linearität der ausgewählten Lieder. Zugleich kann man sich gar nicht an ihrer Anmut und Zartheit, an der Weite und Tiefe ihrer leuchtend schönen Stimme satthören. Aber dieses Repertoire ist halt vollkommen auf diese flexible und variable Meisterdiseuse abgestimmt. Um die Nächte, ihre Verlockungen, aber auch um ihre albtraumhaften Dämonen drehen sich die vier Kapitel des Programms, das vom französischen Musikwissenschaftler Alexandre Dratwicki konzipiert und zum größten Teil auch für Sopran und intime Kammerensemblebesetzung bearbeitet wurde. Als Vorbild haben dafür etwa Chaussons „Chanson perpétuelle“ sowie Gabriel Faurés „La Bonne Chanson“ gedient, die mit ihren Werken die menschliche Stimme mit Streichern und Klavier regelrecht verschmolzen haben. Genau diese Kunst wiederholt sich eben in den elf Chansons und Mélodies, die sich mit drei Instrumentalpiècen abwechseln (darunter Franz Liszts „La Lugubre Gondole“ sowie ein Satz aus Charles-Marie Widors Klavierquintett op. 7). Und auch die wunderbaren Klangfarben, die sich da vom Orient über Spanien bis hin zum nächtlichen Salon durch die Liedperlen ebenfalls von Camilles Saint-Saëns, Jules Massenet und André Messager ziehen, bringt Gens zusammen mit den jungen Musikern des Ensembles I Giardini einfach nur unwiderstehlich sublim zum Leuchten.

Guido Fischer, 20.06.2020



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top