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Life Is The Dancer

Rob Luft

Edition Records/The Orchard-Bertus EDN1152
(43 Min., 6/2019)

Mit seinem Erstlings-Album löste der Brite Rob Luft nicht nur in seiner Heimat Euphorie aus – auch in den USA war man voll des Lobes. Für die Magazin-Institution „Downbeat“ war die Einspielung jedenfalls das beste Debüt eines Gitarristen seit einer Dekade.
Auch mit seiner zweiten Veröffentlichung zeigt der 1993 in London geborene Luft, warum er so etwas wie der Pat Metheny seiner Generation werden könnte. Mit dem amerikanischen Großmeister teilt der Engländer die Wärme, den Optimismus und die Zugewandtheit dem Zuhörer gegenüber. Davon künden Lufts Kompositionen, die sich dank ihrer Gesanglichkeit freundlich im Gehirn einnisten, ohne zu banalen Ohrwürmern zu werden.
Auch wenn man sich an manchen Stellen (etwa, wenn die Vokalistin Luna Cohen in zwei Stücken Thementeile nonverbal mitsingt) deutlich an Metheny erinnert fühlen darf – Luft hat seinen eigenen Kopf. Er lässt sich nie von seiner Virtuosität davontragen, sondern kaschiert sie vielmehr. Da tarnen sich beeindruckende Gitarrenläufe als kompositorisch funktionale Antwort auf die Äußerungen des Tenorsaxofons. Oder wirken, wenn Luft die Töne auf seine charakteristische Art hervorsprudeln lässt, wie die Arpeggien eines Synthesizers.
Die größte Überraschung ist freilich, wie geschlossen und rund die Aufnahme wirkt. Dabei schlägt sie stilistisch wahrlich einen weiten Bogen – beginnend mit dem Postrock der Eröffnungsnummer „Berlin“ und seinem brillant eruptiven Gitarrensolo über das afrikanisch angehauchte Album-Titelstück „Life Is The Dancer“ bis hin zum Schluss „Expect the Unexpected“, der dank Trompeter Byron Wallen an Miles Davisʼ „In a Silent Way“ gemahnt. Und auch in Indien („Tanpura“), in Brasilien („Snow Country“) oder in Norah Jonesʼ Country-Pop-Land („Sad Stars“) machen Luft und sein eingeschworenes Quintett Station.
Das passt alles ganz logisch zueinander, weil der Gitarrist und seine Band hier nichts brav nachahmen, sondern vollkommen ihren eigenen Instinkten zu folgen scheinen. Auf „Life Is The Dancer“ gelingt somit etwas höchst Paradoxes: die perfekte Kombination aus Unschuld und Wissen.

Josef Engels, 06.06.2020



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