Ein Höhepunkt des eben abgelaufenen Berlioz-Jahres: die „Benvenuto Cellini“-Aufnahme John Eliot Gardiners, diesmal ein DVD-Konzertmitschnitt im Kostüm aus der Opéra Royal de Versailles. Mit einem beschwingten Sir John am Pult des bereits in der prallbunten Ouvertüre farbensatt säuselnden wie trötenden Orchestre Révolutionnaire et Romantique und einem agil witzigen Monteverdi Choir. Alle haben Lust, alle sind bestens besetzt, und so ist es ein Vergnügen, Berliozʼ buntester, frivolster, facettenreichster Künstler-Oper direkt aus dem römischen Renaissanceleben zuzuhören. Mag auch vieles an der Vita des hier vor allem liebestollen Goldschmieds erfunden sein, es fühlt sich musikalisch stimmig an. Romantik, Rausch und Revolte als gleisnerisch strahlendes und hektisch dahinjagendes Stück über Genie, Kult und Wahn; ein wenig antiklerikal voller Feste, tönend bewegter Massen, Maskenzüge, mit einem Mord und als Apotheose des Künstlers im Guss der Statue gipfelnd. Michael Spyres singt den Benvenuto höhentrittsicher charmant, mit gut gelagertem baritonalen Tenor und nie nachlassender Kraft. Eine absolute Spitzenleistung. Sophia Burgos hat für seine geliebte Teresa zarte Spitzentöne und Temperament. Maurizio Muraro gibt als ihr Vater Giacomo Balducci dem Ensemble komisches Bassfundament, Adèle Charvet ist Benvenutos kantilenensüchtiger Lehrling Ascanio. Lionel Lhote ist hoch amüsant als immer zu kurz kommender Intrigant und Nebenbuhler Fieramosca. Bassschlank salbadert und segnet Tareq Nazmi Papst Clemens VII. Ein absolutes Opern-Muss!

Matthias Siehler, 06.06.2020



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