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Natural Energy

The Jakob Manz Project

ACT/Edel 1096802ACT
(65 Min., k. A.)

Die Videos, die Jakob Manz auf seiner Homepage veröffentlicht hat, sind nicht unbedingt die typischen Selfie-Clips eines Teenagers: Man sieht den 2001 geborenen Alt-Saxofonisten da unter anderem mit Trompeten-Schwergewichten wie Ack van Rooyen und der SWR Big Band oder mit Randy Brecker und dem BuJazzO. Manz macht da jeweils eine gute Figur: Mal traditionsverbunden und mit weichem, elegantem Ton, mal extrem rhythmisiert und enorm funky.
Auf dem ersten Stück seines ACT-Debüts klingt eines der größten Saxofontalente, das wir derzeit hierzulande haben, indes wie ein ganz Alter: „Endless Space“ erinnert stark an Klaus Doldinger und dessen Band Passport. Und das ist eigentlich ziemlich erfrischend: Denn diese Art von Jazz-Rock war unter ambitionierten Nachwuchs-Jazzern in den vergangenen Jahren doch ziemlich tabu; da zeigte man lieber, wie viel man von Free, Hardbop oder Electronica versteht.
Manz und sein Quartett (Hannes Stollsteimer an Klavier und Keyboards, Frieder Klein am Bass und Paul Albrecht an den Drums) haben hingegen keinerlei Berührungsängste mit dem Fusionjazz der 1980er- und 1990er-Jahre. Der etwas kühle, dafür extrem klare Sound der Produktionen von Labels wie GRP, ESC oder Lipstick bestimmt die Soundästhetik von „Natural Energy“. Und auch einige der Kompositionen liebäugeln weniger mit den Helden der Gegenwart wie Snarky Puppy, sondern eher mit den Yellowjackets, Spyro Gyra oder David Sanborn.
Das ist aber nur ein hervorstechendes Merkmal des Jakob Manz Project. Ein anderes ist die demokratische Verteilung der Kompositionsaufgaben. Was zu einer gewissen Vielfalt führt: Da steht dann eine von Maceo Parker beeinflusste Nummer wie „Eyes of Crystals“ aus der Feder des Bandleaders neben einem zeitlosen Jazzwaltz-Duett, das Pianist Stollsteimer geschrieben hat („Soft Like Peanut Butter“). Ähnlich weit voneinander entfernt liegen das abwechslungsreich swingende und mit Afro-Elementen spielende „Eyes Up” von Drummer Albrecht und das strenge, fugen- sowie etüdenhafte „Speläothem“ von Bassist Klein.
Man hört hier tatsächlich eine Band und keine Zweckgemeinschaft zur Unterstützung eines virtuosen Ego-Shooters. Manz spielt sich nicht mit Ausrufezeichen in den Vordergrund, sondern überrascht nonchalant. Mal mit einem Groove aus Schmatz- und Schnalzgeräuschen wie im Intro von „Thunderbird”, mal mit einem Blockflötensolo, das erheblich zur Rehabilitierung des belächelten Instruments beiträgt. Originell!

Josef Engels, 16.05.2020



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