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Johannes Brahms

The Songs of Brahms Vol. 9

Robin Tritschler, Harriet Burns, Graham Johnson

Hyperion/Note 1 CDJ33129
(74 Min., 10/2018)

Pures Gold ist die helle, metallische und gleichzeitig sehr geschmeidige Stimme des irischen Tenors Robin Tritschler, und sein Einfühlungsvermögen für die Lieder von Johannes Brahms ist bemerkenswert. Damit ist die neunte Folge von Graham Johnsons Brahms-Lieder-Gesamteinspielung eine ganz besonders gelungene. Mit Tritschler kann Johnson etwa die „Waldeseinsamkeit“ nach Lemcke zu einer Mezza-voce-Orgie mit schier endlosen Legato-Bögen gestalten, die ihn am Klavier im untersten dynamischen Bereich herausfordert. Dass Johnson der komplexen Begleitung dennoch ein breites Farbenspektrum entlockt, versteht sich von selbst. Unter ähnlichen Bedingungen gelingt auch die „Feldeinsamkeit“ nach Hermann Allmers ganz hervorragend. Originell auch Johnsons Zugang zur Begleitung des reizend volksliedhaften „Sonntag“: Durch Negation des hier meistens zu hörenden Dauer-Legato arbeitet er das omnipräsente auftaktige Motiv im Klaviersatz markant heraus und erlaubt dem Hörer, die permanenter Variation unterworfene Reise dieses Motivs durch das ganze Lied hindurch zu verfolgen. Zu Gast ist auf dieser CD die Sopranistin Harriet Burns, die auch schon eine eigene Folge der Gesamtaufnahme gestaltet hat. Hier ist sie unter anderem Duettpartnerin im berühmten „Vergeblichen Ständchen“, das meistens von einem Sänger allein gestaltet wird. Durch die Übertragung der im Text angelegten Rollenverteilung auf die Brahmssche Vertonung gewinnt das launige Lied potenziell an Dramatik, allerdings verspielen die Interpreten hier ein wenig den Witz des Liedes – vielleicht macht sich in solchen Momenten doch bemerkbar, dass das deutsche Idiom ihnen nicht genuin zu eigen ist.

Michael Wersin, 16.05.2020



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