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Trickster

Peter Rosendal

Stunt Records/in-akustik 03719152
(43 Min., k. A.)

Der Pianist und Komponist Peter Rosendal ist bekannt für seine abenteuerliche Vermischungskunst von höherer und handfesterer Kultur. Wer seine irrwitzig vielfarbige Aufnahme „Love for Snail“ aus dem Jahr 2014 kennt, versteht, weshalb ihn seine Landsleute als „Quentin Tarantino des dänischen Jazz“ bezeichnen.
Auf dem Album-Nachfolger, für den sich Rosendal sechs Jahre Zeit gelassen hat, präsentiert er sich nun eher als postmoderner Heimatfilm-Regisseur. Die Insel Fanø und die dort gepflegten Musiktraditionen, zu denen auch der polkaähnliche Tanz Sønderhoning gehört, haben es dem Dänen angetan.
Und ganz anders, als es der schelmische Till Eulenspiegel auf dem surrealen Plattencover vermuten lässt, macht sich Rosendal nicht mit beißendem Witz über die Trachtengruppen her. Vielmehr jongliert er auf „Trickster“ liebevoll mit den musikalischen Elementen, die ihm die Kombination aus seiner Folk-Gruppe Trio Mio, zu der Jens Ulvsand an den Saiteninstrumenten und Kristine Heebøl an der Geige zählen, mit der Big Band The Orchestra liefert.
Das ergibt überraschende klangliche Begegnungen. Etwa in der Nummer „Solstik 2“, in der Mittelaltergetrommel, eine griechische Bouzouki-Laute, eine an Gianluigi Trovesi erinnernde Klarinette und fein gewebte Big-Band-Bläser-Texturen im Geiste Maria Schneiders aufeinandertreffen. Oder im auf einem traditionellen Volkslied basierenden „Forste brudestykke“, das eine erstaunliche Balance zwischen traut Folkloristischem und jazzrockiger Saxofonrasanz à la Michael Brecker findet.
Und so geht es fröhlich, aber betont respektvoll weiter: Da werden stampfende Wechselbässe zum Tänzeln gebracht, duftende Frühlingskränze geflochten unter der Begleitung eines knarzenden Ringmodulator-Sounds und Elfen ganz sanft in einen LSD-Rauch versetzt. Dazu erklingen Wurlitzer, Flöten, E-Gitarren, ellingtoneske Trompeten-Growls und Bob-Brookmeyer-Posaunen, ganz so, als seien sie schon immer selbstverständlicher Teil dänischer Ländler gewesen wie die brasilianischen Anklänge, die den Albumabschluss „Dieselvals“ durchziehen.
Angesichts des Albumtitels hätte das Ganze gerne noch etwas alberner oder verschlagener sein können – dennoch muss man sich von dem Trickster Rosendal nicht über den Tisch gezogen fühlen.

Josef Engels, 09.05.2020



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