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Ludwig van Beethoven

„Ein neuer Weg“ (Sonaten op. 31, Variationen opp. 34 & 35)

Andreas Staier

harmonia mundi HMM 902327-
(105 Min., 6/2017, 5/2018) 2 CDs CDs

Stillstand war für Ludwig van Beethoven ein Gräuel. Stets war er auf dem Sprung, um alles bereits Gesagte, Komponierte hinter sich zu lassen. Einen großen Schnitt und damit Schritt in die Zukunft machte er 1801/02. Kaum war die Tinte der 1801 komponierten vier Klaviersonaten opp. 26 bis 28 getrocknet, glaubte er schon nicht mehr an sie. „Ich bin mit meinen bisherigen Arbeiten nicht zufrieden, von nun an will ich einen anderen Weg beschreiten“, lautet der von Carl Czerny überlieferte Ausspruch Beethovens.
„Ein neuer Weg“ heißt denn auch Andreas Staiers Beitrag zum Beethoven-Jahr. Und der hat es in sich. Nicht nur, weil Staier mit den drei Klaviersonaten op. 31 sowie den beiden Variationswerken op. 34 & 35 Kompositionen ausgewählt hat, die die künstlerische Aufbruchsstimmung Beethovens exemplarisch widerspiegeln. Die allesamt 1802 entstandenen Klavierwerke hat Staier auf einem Fortepiano aus dem Jahr 1810 aufgenommen, das selbst die tollsten Gangarten Staiers locker mitgehen kann und ihnen standhält. Von peitschend-nervig über brodelnd bis fesselnd waghalsig nimmt sich Staier die Sonaten-Ecksätze vor. Wobei er etwa das finale Presto con fuoco der Es-Dur-Sonate sagenhaft vor sich hertreibt und dabei dem Flügel schon mal gnadenlos über die Bässe in die Parade fährt. Dass Staier aber auch den innig-himmlischen Ton beherrscht, der von Ferne auf die späten „transzendentalen“ Sonaten Beethovens verweist, zeigt er etwa im langsamen Satz der „Sturmsonate“. So schwungvoll kernig wie federnd bewegt er sich danach in den Variationen – und schwingt sich bei den „Eroica“-Veränderungen zu einer Brillanz auf, die stets etwas leicht Schelmenhaftes besitzt. Unter dem Strich also eine Beethoven-Einspielung, die einen überdies auch äußerst gut unterhält.

Guido Fischer, 18.04.2020



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