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Live At The Montreux Jazz Festival

Lynne Arriale-Trio

TCB/In-Akustik 7 25095 20252 7
(51 Min., 7/1999) 1 CD

Manchmal bewirkt die hektische, aber gleichzeitig von innerer Hochstimmung getragene Festivalatmosphäre eben doch Außerordentliches: Zum Beispiel den vom ersten dramatischen Wummern der Bass-Saiten an vor Spannung vibrierenden Montreux-Auftritt der bislang von mir übersehenen Pianistin Lynne Arriale, die mich bereits auf Grund ihrer außerordentlich spitzen Nase hätte interessieren müssen. Die steckte sie während ihres klassischen Musikstudiums in Dinge, die sie eigentlich nichts angingen: Die Musik Thelonious Monks zum Beispiel, durch die sie zum ersten Mal Lust aufs Improvisieren bekam. Und es sind eben die beiden Monk-Titel "Evidence" und "Think Of One", die ob ihrer Unabhängigkeit von anderen Versionen - auch der Auffassung ihres Komponisten - als erstes aufhorchen lassen, um dann auf Umwegen den skurrilen Geist dieser Musik exakt zu treffen.
Lynne Arriales Interpretationen von Standards, deren Melodien sie durchaus achtet, klingen ähnlich eigenständig wie bei Brad Mehldau. Um was geht es im Jazz schließlich sonst, als neuen Wein in alte Schläuche zu füllen? "Estate" zum Beispiel ist so ein alt-ehrwürdiger Schlauch, den ich seit der Shirley-Horn-Einspielung eigentlich für tabu hielt. Die arme Lynne Ariale nun muss sich auf ihre Klaviertasten beschränken, und ich habe von der Essenz dieser Ode an den Sommer trotz geringerer Schwüle nichts vermisst.
Ordentlich losboppen - wie auf "Seven Steps To Heaven" - können die drei auch: Ein zentrales Element ihrer bislang ganz auf den Trio-Kontext konzentrierten Arbeit ist das langjährige, wohl beinahe telepathische Zusammenwirken mit ihrem Schlagzeuger Steve Davis, der sich nicht zu schade ist, zwischendurch einen publikumswirksamen Backbeat einzustreuen. Frau Arriales weitere Projekte erwarte ich voll Ungeduld - schon ihrer Nase wegen.

Mátyás Kiss, 06.07.2000



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