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Gabriel Fauré, Maurice Ravel, Leonard Bernstein, Olivier Messiaen u. a.

„Paradise Lost“ (Lieder)

Anna Prohaska, Julius Drake

Alpha/Note 1 ALP581
(64 Min., 7/2019)

Die österreichische Sopranistin Anna Prohaska mag die musikalische Abwechslung. Wobei diese immer einen roten Faden haben sollte. Von Schumann bis Rihm reichte beispielsweise ihr Liedprojekt „Hinter den Linien“, mit dem sie an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erinnerte. Und mit ihrem Barock-Album „Serpent & Fire“ porträtierte sie mit Dido und Kleopatra zwei beliebte Opernfrauenfiguren. Für ihr neuestes Album „Das verlorene Paradies“ ist Prohaska nun mit dem Pianisten Julius Drake ganz weit zurück in der Menschheitsgeschichte gegangen, zum Mythos von Adam & Eva. In sechs Kapiteln spannen beide anhand von 25 Liedern aus dem 17. bis 20. Jahrhundert den Bogen vom „Morgen im Paradies“ und der „Erschaffung der Eva“ über den „Sündenfall“ bis zur „Vertreibung“ – bis man im Hier und Jetzt, mit Mahlers gleichnamigem Lied im „irdischen Leben“ angekommen ist.
Es ist beeindruckend und beachtlich, was für ein Lied-Kaleidoskop für dieses Projekt recherchiert wurde. Gabriel Faurés „La Chanson dʼÈve“ ist eine ebensolche Entdeckung wie „Gib mir den Apfel“ aus Aribert Reimanns „Kinderliedern“. Auf die Vokalisen von Igor Strawinskys „Pastorale“ folgen etwa Henry Purcells „Sleep, Adam, sleep“ und Schumanns „Warte, warte wilder Schiffmann“ als erneute Erinnerung an Eva als die Ur-Botin von Unglück und Sünde. Doch nichts wäre langweiliger, als wenn man daraus nur eine musikalische Bibelstunde über „Adam & Eva“ konzipiert hätte. So aber kann man auch ganz einfach den stimmlichen Radius und die Selbstverständlichkeit bestaunen, mit denen Prohaska in die deutschen, englischen und französischen Liederwelten bis hin zu Charles Ives, Hans Pfitzner und Hanns Eisler eintaucht. Zum Glück hat sie mit Julius Drake einen nicht minder musikalisch umfassend gebildeten Pianisten zur Seite.

Guido Fischer, 04.04.2020



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