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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Der Weise Panda

Der Weise Panda

Jazzhaus/in-akustik 0366183
(35 Min., 1/2019)

Wer auch immer behauptet hat, dass das zweite Album das schwerste sei – die Kölner Formation „Der Weise Panda“ hat nicht auf ihn gehört. Die Musik der Band um die Sängerin Maika Küster ist im Vergleich zu ihrem 2016 erschienenen Debüt „Mam“ nämlich noch nuancierter, vielgestaltiger und geheimnisvoller geworden. Was zum einen an der Hinzunahme der israelischen Cellistin Talia Erdal liegt, die mit ihrem überirdischen Sirren, ihren handfesten Pizzicato-Begleitungen und griffigen Kompositionen eine neue klangliche und emotionale Tür aufstößt, zum anderen an der gewonnen Selbstsicherheit des Panda-Trupps (den Namen hat das Quintett übrigens von der Saxofonistin Angelika Niescier, die einst als Coach weise Tipps gab).
Die neun Stücke (acht Songs und ein Instrumental mit nonverbalem Stimmeinsatz) sind extrem gut durchdacht in ihren Arrangements. Mal schweigt das Klavier (Felix Hauptmann), um Bass (Yannik Tiemann) und Cello das Feld zu überlassen, mal ist das Pochen einer Kick-Drum von Schlagzeuger Jo Beyer die einzige Begleitung der Gesangsstimme. Und auch Soli werden oft lieber nur zart angedeutet, wenn zu viel egoistische Selbstverwirklichung den Zauber an dieser Stelle empfindlich stören würde.
Das Erschaffen von Atmosphären, sei es textlicher oder stimmlicher Art, ist denn auch eine der größten Stärken der Panda-Frontfrau Maika Küster. Besonders schön zeigt sie das in der Nummer „Green Bird“, in der sie dem Hörer zunächst förmlich in die Ohren kriecht und sich wie ein trauriger Gedanke im Gehirn breitmacht. Diese weltentrückte Sängerin, die eine seltsame Mischung aus Sidsel Endresen und Billie Eilish ist, verwandelt sich im Laufe des Lieds in eine Rapperin, eine Spoken-Word-Artistin mit suggestiver Wortsogkraft.
Und so wird aus jedem Lied auf dem Zweitling des Quintetts ein Kammerspiel, das mal auf einer klassischen Dramenbühne („Puberty Power“ mit deutschem Text), mal in einem Indie-Rock-Club („The Black River“), mal in einer Gothic-Jazz-Chanson-Bar („Black and Blue for M“) aufgeführt wird. Dass Bambusbären niedlich und ein bisschen langweilig sind – auch davon hat „Der Weise Panda“ noch nichts gehört.

Josef Engels, 14.03.2020



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