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Hector Berlioz

Messe solennelle

Le Concert Spirituel, Hervé Niquet

Alpha/Note 1 ALP564
(51 Min., 6/2019)

„Nun ist es vollbracht! Aufreibend! Dieses Genie verbraucht enorm viel Energie. O là là!“ So endet Hervé Niquets aufgekratztes Grußwort zu dieser CD – der finale emphatische Ausruf lautet im französischen Original gar „Houloulou!“. Das erwähnte Genie ist der erst 20-jährige Hector Berlioz, der, ohne jemals eine einzige Kompositionsstunde gehabt zu haben, der Bitte des Chorleiters von Saint-Roch in Paris nachkam, eine Messe zu komponieren. Houloulou! – hier ist sie: Ein höchst eigenwilliges Gebilde, dessen Originalität man nur im Lichte der Vertonungsgeschichte des Messordinariums wirklich erfassen kann. Wo wäre zuvor jemals der „Credo“-Beginn so erhebend vertont worden wie hier als Kombination eines ausladenden Bass-Solos mit einem höchst kreativen Orchestersatz? Fast meint man schon, der Chor würde in diesem Satz ganz pausieren – da mischen sich plötzlich die Männer-, dann die Frauenstimmen kommentierend ein, aber der Bassolist bleibt im Zentrum. Bis ihn die Sopransolistin schlussendlich beim „Et incarnatus est“ ablöst. Unerhört auch die fast operettenhaft tänzerischen Lobpreisungen am „Gloria“-Beginn: Eigentlich knapp am Komischen vorbei und doch auch merkwürdig passend im Duktus des ausgelassenen Gotteslobes. Hervé Niquet hat für dieses Mammut-Stück ein großartiges Ensemble aus historisierend musizierenden Vokal- und Instrumentalkräften zusammengebracht, das fast ausnahmslos – am ausgiebigen Vibrato der Sopransolistin könnte man sich stören – überzeugt. Wahrhaft eine organisatorische und musikalische Großtat, dank der das kantige Genie Berlioz dem Publikum ein Stück näher rücken dürfte. Houloulou!

Michael Wersin, 14.03.2020



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