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Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn Bartholdy, Gabriel Fauré, Alfredo Casella, Zoltán Kodály u. a.

Paul Tortelier – RIAS Recordings

Paul Tortelier, Lothar Broddack, Klaus Billing

audite/Note 1 ADT21455
(207 Min., 1949, 1962, 1964) 3 CDs

Es war ein bewegtes Musikerleben, auf das Paul Tortelier 1990 zurückblicken konnte. Zunächst hatte der gebürtige Pariser seinen Cello-Dienst in namhaften Orchestern wie dem Orchestre Lamoureux und dem Boston Symphony Orchestra verrichtet. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für Monsieur eine große Solo-Karriere. Und mit immerhin Artur Rubinstein und Isaac Stern bildete der spätere Trauzeuge von Jacqueline du Pré ein legendäres Klaviertrio. Doch als Tortelier 1990 im Alter von 76 Jahren starb, verblasste auch rasch sein einstiger Ruhm. Wobei er schon zeitlebens etwas im Schatten seines guten Freundes Pablo Casals und von Mstislaw Rostropowitsch stand. Mit seinem eher verhangenen, expressiven Ton prägte Tortelier gemeinsam mit Kollege Pierre Fournier das Bild von der modernen französischen Cello-Schule. Und unter den gesammelten Aufnahmen, die Tortelier 1949, 1962 und 1964 für den Berliner RIAS machte, finden sich dementsprechend Einspielungen von Sonaten-Klassikern, in denen Torteliers oftmals äußerst dunkle Musikantenseele zu erleben ist. Auf dem langsamen Satz von Ludwig van Beethovens 5. Cellosonate op. 102/II lastet es trauertrunken schwer. Aus dem schwärmerischen Beginn von Felix Mendelssohns 2. Cellosonate wird schnell pure Dramatik. Und mit was für einem beklemmenden Melos potenziert Tortelier da noch mal das bereits magisch Spätherbstliche in Brahmsʼ 1. Cellosonate. Das ist Musik mit ganz großem Herzen gespielt, ohne nur einmal den pathetischen Bogen zu überspannen.
Wie die 3-CD-Edition bestätigt, war Tortelier ein musikalisch vielfach Interessierter. Nur konnte er es beim Großteil der Aufnahmen, bei denen ihm mit Lothar Broddack bzw. Klaus Billing zwei gerade mal solide Pianisten zur Seite standen, nicht mit der entsprechenden Gestaltungskraft und bisweilen spieltechnischen Festigkeit vermitteln. Der 6. Cello-Suite von Bach mangelt es völlig an Variabilität im Ausdruck, da scheint sich Tortelier selbst durch die Gigue mühsam durchgearbeitet zu haben. Die Cello-Sonate von Gabriel Fauré blüht allein im Andante unvergleichlich innig auf – während das nachfolgende Allegro vivo fast wie eine Karikatur wirkt. Und den Paganini-Variationen über Rossinis „Moses“ fehlt es völlig an Feuer und Frechheit. Sonaten von Alfredo Casella und Zoltán Kodály sowie Leichtgewichtiges aus der Feder Torteliers runden diese leider zwiespältige, mal begeisternde, mal enttäuschende CD-Dokumentation seiner RIAS-Jahre ab.

Guido Fischer, 14.03.2020



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