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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll

Behzod Abduraimov, Concertgebouw Orkest, Valery Gergiev

RCO Live/Warner 9029687427
(45 Min., 10/2017)

Mit Prokofjew ist er berühmt geworden: Ich erinnere mich an den Auftritt des damals gerade 25-jährigen usbekischen Pianisten Behzod Abduraimov bei Valery Gergievs Prokofjew-Marathon im November 2015 (alle Klavierkonzerte an einem Tag) in der Münchner Philharmonie. Seine absolut makellose pianistische Leistung schien durch den visuellen Eindruck jugendlicher, ja jungenhafter Quicklebendigkeit noch erstaunlicher als ohnehin. Zwei Jahre später, im Herbst 2017, entstand die vorliegende Einspielung, wiederum mit Gergiev am Pult. Nun ist es „Rach 3“, eines der technisch anspruchsvollsten Schlachtrösser im Klavierkonzert-Kosmos, mit dem Abduraimov wiederum Staunen erregt: Auch hier liefert er, befeuert von Gergievs energetischem Dirigat, eine großartige Performance ab. Mitreißende Steigerungspassagen, erhebende lyrische Momente, schier vollkommenes Dialogisieren mit dem Concertgebouw Orkest.
Dennoch bleibt, wie bei fast allen Einspielungen von „Rach 3“, ein Vorbehalt: Stärker noch als Sergei Prokofjew nämlich prägte Rachmaninow die Interpretation seiner Klavierkonzerte. Rachmaninow, vielleicht der größte Pianist seiner Tage, hinterließ eigene Einspielungen dieser Stücke, die hinsichtlich ihrer unprätentiösen Interpretationshaltung unübertroffen, ja vielleicht unübertrefflich sind. Mit rasend schnellen Tempi (die auch Abduraimov nicht erreicht) bei gleichzeitiger Verleugnung jeder oberflächlichen virtuosen Attitüde bürstet Rachmaninow selbst seine scheinbar so auftrumpfenden Werke geradezu gegen den Strich und straft damit die Kritik am angeblich grotesk aus der Zeit gefallenen, effekthascherischen Virtuosentum Lügen. Mit dieser Interpretations-Ästhetik im Hinterkopf kann man auch für Abduraimovs „Rach 3“ nicht grenzenlos schwärmen. Vielmehr bleibt die Frage im Raum, wann endlich mal ein geschliffener Pianist die wahre Größe besitzt, dieses Werk mehr aus dem Geist seines Schöpfers heraus in Angriff zu nehmen.

Michael Wersin, 22.02.2020



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